80:20

Guten Morgen, um 7:05 aus dem Zug Bern-Zürich. Gefühlt sind hier drinnen eine Million Grad, vielleicht sogar etwas mehr. Dazu riecht es nach Kräutern -hat jemand ein neues Shampoo?- als wären wir in der finnischen Sauna. So werden wir jetzt also, gemeinsam schwitzend, dem Zür’cher Hauptbahnhof entgegenschauckeln. 

Mein Magen findet das, im wahrsten Sinne des Wortes, zum kotzen und meine Augen halten bereits Ausschau, wo sich das am besten erledigen liese. Die Öffnung vom Mülleimer ist definitiv zu klein und zwischen der Toilette und meinem Mageninhalt liegt eine kurvige Treppe. Also sage ich mir „wo heute noch nix rein kam, kann jetzt auch nix raus“, und meditiere die aufsteigende Säure zurück nach unten. 

Es war noch nie so warm im Zug, wie es heute morgen ist. Nicht mal im Sommer, aber die SBB kämpft, im Gegensatz zur DB, ja auch nicht mit Klimaanlagen-Dauerstörungen. 

Ich erinnere mich an die guten alten Zeiten, damals, als man noch das Fenster im Anteil aufschieben konnte. Immer wenn ich den Kopf hinausstreckte hatte ich Angst, ein entgegenfahrender Zug würde mich köpfen (man hat eine blühende Phantasie als Kind, meine war blühend und blutig). Ist sowas denn jemals passiert? Wurden vielleicht deshalb die Fenster umgebaut? (Antworten dazu gerne in dem Kommentaren). 

Um an dieser Stelle mal auf den Titel des Beitrags zu kommen: 80:20. Heute gehöre ich einer Minderheit von gefühlt 20% an. Seit Tagen scheint die Sonne und das hat wohl das ganze Land heute seeeehr früh ausm Bett gelockt. Gefühlt trägt hier jeder, ausser mir, Skischuhe und Schneehosen. Im Tumult der Wintersportler bin ich bereits auf dem Bahnsteig untergegangen. Da muss ein geheimes Treffen sein, von dem ich mal wieder nichts weiss. Tztz, das merk ich mir. 

Also 80% der Menschen um 7:irgendwas Uhr sind heute auf dem Weg in die Berge, wo sie von Sonne und Schnee erwartet werden. Ich würde ja mitkommen, muss aber in die Schule. Ausserdem habe ich nicht die passenden Klamotten, sorry.  

Ich habe tatsächlich mit 6 Jahren meinen ersten Skikurs gemacht, wusstet ihr das? Ich weiss es manchmal auch nicht mehr, aber tatsächlich habe ich früher ja einfach mal alles ausprobiert. Skischule, Schwimmverein, Rhythmische Sportgymnastik, Musikverein, Tanzschule… kein Wunder hat das mit der Schule nicht so hingehauen, es gab einfach so viel Besseres zu tun 🙂 

Einmal habe ich mich aufs Snowboard getraut. Ich war davon überzeugt, wenn ich auf 2 Brettern den Berg runter komme dann muss das auch auf einem zu schaffen sein. Ich hatte nur nicht daran gedacht, dass meine Skifahrkunst darin bestand, im Pflug über den Schnee nach unten zu rutschen gepaart mit einer panischen Angst, sobald ich an Tempo gewann (da wären wir wieder bei meiner blutigen Phantasie). Nun auf einem Brett gibt es keinen Pflug. Als ich das merkte und dazu noch feststellen musste, dass ich, anders als erwartet, kein Snowboard-Naturtalent war, hat mich ein Wutanfall gepackt. Ich habe mir das Board von dem Füssen gerissen und es den Berg runter geschupst. „Da hast du ’s, du Arschloch!“ Voller Wut auf meine nicht vorhandene Begabung bin ich motzend hinterhergestapft, habe es unten wieder eingesammelt und beim Verleih in Ski umgetauscht. Dann doch lieber pflügen. 

Der Magen hat sich beruhigt, man muss nur wissen sich ab zu lenken, und ich entlasse euch ins verdiente Wochenende. Der Schaffner bahnt sich gerade den Weg über herumliegende Rucksäcke, Stöcke und Bretter – es ist 7:30 Uhr, bestimmt kommt er, um den Saunaaufguss zu machen. Ich wünsche den 80% gutes Gelingen, geniesst die Sonne für mich mit, ich lerne solange was über „Content-Marketing“, denn auch heute habe ich noch tausend Interessen…am Montag geht’s schon wieder mit einer neuen Idee weiter… 

Schönes Wochenende und immer schön vorsichtig im Pflug fahren 😉 

2 Gedanken zu “80:20

  1. Cool, dass du trotz Datenschutzblabla die Kommentarfunktion wieder aktiviert hast. 🙂
    Dass man die Fenster im Zug nicht öffnen kann, hat mehrere Gründe:
    1. Damit die Klimaanlage nicht umsonst arbeitet
    2. Wegen der Sicherheit (dass niemand den Kopf rausstreckt oder gar in Suizidgedanken hinausspringt
    3. Hoher Geräuschpegel im Zug durch offene Fenster

    Wünsche ein schönes Wochenende ☺

    Gefällt 1 Person

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