Vom Zugfahren, Retten und einer wilden Woche

Diese Woche war wild. Nicht im Sinne von ich-habe-auf-dem-Tresen-getanzt-wild (zum Glück bleibt mir das mittlerweile erspart), aber wild im Sinne von die-Ereignisse-überschlagen-sich.

Wir haben einen Verein gerettet. Wir, das sind drei schreibbegeisterte Powerfrauen und ich. Am Donnerstag waren wir in Rettungsmission in Zürich unterwegs, und nach ein paar Herzklopfmomenten ging alles so aus, wie wir es uns erhofft hatten. Nun werden ab Ende 2025 spannende Aufgaben auf mich zukommen, und ich freue mich riesig darauf. Aufruf: Wir freuen uns über neue Vereinsmitglieder!  

Auf der Zugfahrt dorthin habe ich geschrieben (in Zügen schreibt es sich einfach so gut):

Donnerstag, 12.31 Uhr im Zug nach Zürich. Die überteuerte Zugfahrt gleicht eher einem Besuch im Asia-Schnellimbiss. Jeder packt sein To-Go-Mittagessen aus und provoziert damit meinen Würgereiz. Ich beobachte mein Gegenüber. Früher hätte ich mir womöglich überlegt, dem Typ in seinen Dreissigern (ein attraktiver Kerl mit Brille) meine Nummer übern Klapptisch zuzuschieben. Heutzutage will ich ihm einfach nur ein Taschentuch rüberreichen, damit er seine Frühlingsrollenfettfinger nicht weiter an seiner Hose abwischen muss (was ihn auf der Attraktivitätsliste auf den Nullpunkt sinken lässt). Womöglich ist es auch dieses eine Prozent Muttergefühl in mir («Junge, mach dir die Patschehändchen sauber!») oder lediglich die Angst davor, dass das Fett statt auf seiner, auf meiner Hose landen könnte. Mit einem quietschenden Schmatzgeräusch zieht er sich Chinakohl und Sprossen durch die Zahnritzen, und schaut dabei – ohne Kopfhörer! – auf zwei (?) Handys Livestreams. Dabei reibt er sich immer wieder die Stirn. Der neue Herrenduft: eau de rouleau de printemps. Ich frage mich: Wenn ich 30 und auf der Suche wäre, würde mir das dann auch auffallen? Sind die Typen schon immer so oder war ich in jüngeren Jahren hormonbedingt blind für solche Dinge? Werden Leute in der Öffentlichkeit – insbesondere in öffentlichen Verkehrsmitteln – immer schräger? Stecken alle gedanklich in ihrer eigenen Welt und ignorieren das Aussen? Nichts gegen Frühlingsrollen, aber die esse ich doch lieber aufm Sofa in der Nähe von fliessend Wasser.

Und als wären diese beiden Donnerstags-Zugfahrten nicht schon genug gewesen, war ich gestern gleich nochmal in Zürich:

Samstag, 8.02 Uhr, eine weitere Zugfahrt in dieser Woche. Wieder auf dem Weg nach Züri. Ich fühle mich leicht besoffen, denn der Typ neben mir dünstet die Party der vergangenen Nacht aus. Den Koffern und seinem Outfit nach zu urteilen, könnte er DJ sein (wer mein Buch gelesen hat, weiss ja, dass ich da gewisse Erfahrungen habe). Dieser säuerliche Restalkohol-Geruch steigt mir in die Nase und meinen leeren Magen. Anders als beim Frühlingsrollentyp, würde ich dem meine Nummer nicht rüberschieben wollen. Mit seinem Schnauz und den wilden Locken sieht er aus wie der uneheliche Sohn von Tom Selleck und Wolle Petry. Ich vermute sogar selbstknüpfte Freundschaftsbändchen an seinen Handgelenken.

Da ich euch nicht mit Spekulationen im Ungewissen lassen möchte, habe ich eben die Marke seines Koffers gegoogelt. Ergebnis: premium DJ-Equipment Cases – ach ich bin so gut im Stalken (aber es gab ja auch längst nicht nur einen DJ in meinem Leben, über die ich womöglich in Band 2 und 3 meines Buchs erzählen könnte).

Also, die DJ-Locken lehnen am Fenster, und er macht seinen wohlverdienten Feierabendschlaf. Wobei, er könnte auch auf dem Weg zum Flughafen sein … für Ibiza ist er allerdings nicht glamourös genug, aber für Berlin könnte es reichen. Immerhin trägt er Jogginghose und ausgelatschte Asics, da sagt jeder Ibiza-Club-Türsteher «Du kommsch hier nid rein». Für die Uncoolen unter euch: Wenn ich von DJ rede, dann meine ich nicht etwa DJ Bobo oder DJ Ötzi. Das hier ist ein Typ, der erst um 3 Uhr zum Auflegen in den Club kommt, um den Leuten den Rest zu verpassen (nachdem er sich selbst schon was verpasst hat). Nix da mit «Hände in die Höhe» und «uuuuh uuuuh, schallallallalla».  

Am Ende lande ich immer auf Ibiza (oder im Schaumbad). An dieser Stelle aber mal der Aufruf: Schreibt mir doch bitte, welche Story euch im Buch am besten gefällt. Schwarzwald, Clubleben oder Drogenbar?

Womöglich war die Woche in meinen Gedanken wilder als in der Realität – oder ich verschweige euch ein paar Dinge, schliesslich ist das hier ja nicht mein Tagebuch 😉

Zum Schluss grüsse ich herzlich mein Fangirl Number One, die Freak-Chauffeurin der deutschen Gleise. Eines Tages werden sie dir eine Direktzufahrt IN die Klapse bauen, um all die Bekloppten abzuliefern. Danke für deinen Dienst an der Menschheit (bitte einmal das Bundesverdienstkreuz bereitlegen).

Sound des Abends: Wolfgang (Wolle) Petry, Wahnsinn (Hölle, Hölle, Hölle – uuuuh uuuuh)

2 Gedanken zu “Vom Zugfahren, Retten und einer wilden Woche

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