Von Brot, Partymitbringseln und Ofenüberraschungen

Es ist wieder Sonntagabend. Schaumbadzeit! Vielleicht sollte ich mir so einen Badewannentisch kaufen, um künftig diese Texte in meinem Litamin-Bad für euch zu schreiben. Würde euch dieser Gedanke gefallen? Ich, mit Laptop im blauen Badewasser?


Heute habe ich mein erstes Brot gebacken. Ich bin so stolz, denn Backen gehört nicht zu meinen Superkräften. Ganz im Gegenteil. Meine Vorliebe, alles im Effi-Freestyle zu machen, mag bei vielen Dingen gut funktionieren, aber bei Backrezepten ist das nicht der Fall. So habe ich schon alle möglichen trockenen, nicht-fest-werden-wollenden, steinharten, aussen-verbrannten und innen-noch-rohen Kuchen und andere Ofentragödien kreiert. Ich habe keinen grünen Daumen und auch keinen Bäckerdaumen (ich hätte jetzt „weissen Daumen“ gesagt, wegen des Mehls, aber ich glaube, das könnte man nach all meinen Ibiza-Besuchen falsch interpretieren). Mengenangaben statt „in etwa“, Backzeit statt Bauchgefühl, Zutatenliste statt „Was ist denn noch so im Kühlschrank, was weg muss?“. Ja, das liegt mir nicht so. Dennoch habe ich heute ein Brot erschaffen, und es war sogar lecker.


Automatisch muss ich beim Thema Backen an den zum Leben erweckten Fantakuchen 1998 in Tanjas Ofen denken. Bis heute weiss ich nicht, ob Fantakuchen ein offiziell anerkanntes Lebensmittel ist oder ob das jemandem nach einer durchfeierten Disconacht im Suff eingefallen ist – aber Fantakuchen war in den 90ern DAS Mitbringsel, wenn man irgendwo eingeladen war und ein Dessert beisteuern sollte. Zumindest in einigen Dörfern in Südbaden war das der ganz heisse Scheiss!


Seit Wochen hatte Tanja ein Blech fertigen Fantakuchen im Ofen, den sie dort vergessen hatte (womöglich wurde die Party abgesagt, zu der sie ihn damals mitbringen wollte?). Jeden Tag erzählte sie mir, sie müsse endlich den Kuchen aus dem Ofen holen, und jeden Tag tat sie es nicht. Nach ein paar Wochen verfolgte sie der Fantakuchen dann bis in ihre Träume.
Eines Sonntagabends, es mussten bereits Monate vergangen sein, holte ich sie für unsere allwöchentliche OM-Singleparty-Disconacht ab, die uns das Wochenende verlängerte, weil ich dann am Montag die Schule schwänzte. Ich kam mit einer Mission: Wir entsorgen den Fantakuchen!


Tanja vermummte sich das halbe Gesicht mit einem Schal, setzte eine Skimütze auf, schlüpfte verkehrt herum in den Anorak (ich zog ihr den Reissverschluss auf dem Rücken zu) und stülpte sich fette Handschuhe über. Nur noch die Augen waren frei, um im Backofen nicht aus Versehen danebenzugreifen. Mit einem Quietschen öffnete sie die Backofentür, während ich von hinten mit der Taschenlampe hineinleuchtete. Wie unter Lebensgefahr zerrte sie das Blech aus dem Ofen. Ich sprintete zur Wohnungstür, bahnte ihr den Weg zum Müllcontainer frei, riss den Deckel auf, und sie versenkte den Fantakuchen samt Backblech in der grauen Tonne, bevor sie sich vor Ekel schüttelte, was im Flutlicht der Hofeinfahrt schon fast nach einem geilen Techno-Tanz-Move aussah.
Ich glaube, das Backen hat sie danach erst mal nicht mehr verfolgt, sondern stattdessen Asti Cinzano zum neuen Partymitbringsel auserkoren (was in Bezug auf Zucker dem Fantakuchen in nichts nachsteht).


Vielleicht werde ich gleich mal bei Chefkoch schauen, ob es ein Rezept für Fantakuchen gibt. Jetzt, wo ich das Brot beherrsche, könnte ich ein Revival des 90er-Partymitbringsels planen. Oder ich ersetze Fanta durch Kombucha, um es hipper zu machen. Aber vorher schicke ich Tanja eine Nachricht und frage mal nach, was gerade so in ihrem Ofen los ist. Schliesslich ist Sonntagabend – uns erwartet zwar keine Partynacht im OM, aber für einen guten Backofen-Exorzismus ist man doch nie zu alt!

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