Alles Neue bringt der Mai

Alles Neue bringt der Mai?

Lieber Mai, du hast Bringen wohl gerade mit Nehmen verwechselt? Zumindest hast du mir schon wieder einen Zahn genommen, meinen Backenzahn, den ich so dringend zum zermahlen von Chips, Keksen und Nudeln brauche. Hättest dir nicht einen unnützeren Zahn aussuchen können? Außerdem hast du doch vor ziemlich genau drei Jahren schon einen dicken Zahn von mir bekommen. Du kannst den Hals nicht vollkriegen wie es scheint? Also künftig mache ich den Mai vielleicht besser zum Fastenmonat, das wird mir langsam zu gefährlich.

Es ist der 8. Mai und ich habe schon genug Schmerzen für den Rest des Jahres durchgestanden. Seit über einer Woche pocht, zieht und klopft es im Mund, im Ohr und überhaupt im ganzen Rest des Kopfes. Dabei sollte doch genau in diesem Monat etwas rein in den Kopf. Französisch nämlich. Jede Menge Grammatik und noch mehr Vokabeln. Ich muss 25 Jahre Pause aufarbeiten, wie soll das denn funktionieren mit diesem Gerumpel? Nachdem der Schmerz, vier Tage nach Verabschiedung des Zahns, noch immer nicht besser wurde musste ich Montag wieder zum Zahnarzt. Ich wohne nichtmehr in Deutschland, wo eine kleine Kontrolle ja gratis wäre. Nein, der Zahnarzt gehört nicht zur Krankenkassenleistung. Ich warte schon auf die Rechnung und hoffe, dass sie sich überhaupt noch im dreistelligen Bereich befindet. Die Chance ist klein. Urgs.

Es gab Komplikationen, manchmal habe ich das Gefühl mein ganzes Leben ist eine nicht nachvollziehbare Komplikation… also war es nötig den Knochen nochmal anzubohren, halleluja, damit sich durch das Blut endlich Gewebe bilden kann. Ich freue mich schon auf den Punkt „Diamantbohrer“ auf der Rechnung. Für alle die, wie ich bis vor drei Jahren, chronische Zahnarztpanik haben lasst euch gesagt sein: am Ende überlebt man es irgendwie immer. Zahnschmerzen sind verdammt fiese Schmerzen, ein Bein abhacken müsste im Vergleich dazu ein Spaziergang sein – naja, das dann wohl eher nicht mehr. Aber lasst mich mal über den emotionalen Schmerz sprechen. Der Moment, in dem einem der Zahn, dank zwei Spritzen quasi schmerzlos, aus dem Körper gezogen wird. Vor drei Jahren hat mich eine Ohnmacht davon abgehalten dieses Gefühl tatsächlich mitzuerleben, aber dieses Mal war ich live dabei. Danach in diesen riesigen Krater im Mund zu blicken und zu wissen „für immer weg“ oder im meinem Fall „schon wieder hat’s der Mai genommen“. Auf den Schock habe ich erstmal den Folgetag, am ersten Tag haben Schockstarre und Schmerzen den Körper in Schach gehalten, mit Dauerkotzen verbracht. Da liegt man dann, zusammengekauert im Bett und es bleibt keine Körperstelle übrig, die gerade nicht vor Schmerze und Erschöpfung zittert. Und welche Gedanken huschen mir durch den Kopf? „Verdammt ich sollte im Französischunterricht sitzen.“ Bin ich besonders gewissenhaft oder einfach nur besonders doof?

Also lieber Mai, heute ist der 8. Tag. Du hast noch 23 Tage mir was zu bringen. Es wieder gut zu machen. Und nein, Mairegen für meine Schönheit zählt nicht, den kannst du also getrost wieder abstellen. Zumal ich aussehe wie eine Hexe, wenn ich den Mund zu weit aufmache. Ehrlich gesagt wäre ich schon froh, wenn die Rechnung nicht einer Kleinwagenanzahlung entspräche, aber ich glaube für diese Bitte komme ich mal wieder etwas zu spät.  

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