Vom Whirlpool, den Golden Girls und Träumen

Ich hatte Geburtstag. Jetzt bitte keine nachträglichen Glückwünsche, es ist ne Weile her und ich betreibe auch kein fishing for congratulations. Nein, ich will euch erzählen, dass ich meinen Geburtstag im Whirlpool verbracht habe. Nun kommen dem einen oder der anderen unter euch sicherlich so wilde 50-Cent-Gedanken. Eine blubbernde (Titten-)Suppe, ölige Körper, die Schampus schlürfen, Goldkettchen tragen und der Silikonanteil im Pool, der höher ist als der bei OBI. Fehlanzeige! Diese Whirlpool-Sessions gibts bei MTV-Programm, nicht in den schweizerischen Bergen. Mein Whirlpool-Erlebnis war: Steffi allein mit Rooibos-Tee, Bergpanorama und Blick auf meine 45-jährigen Knie mit der Frage: „Gehören diese schrumpeligen Knubbelknie echt zu mir?“

Aber ich will hier jetzt kein Alters-Bashing mit mir selbst betreiben – das ist nicht gut für die Moral. Ich sehe es ja eher so, dass ich bald alt genug bin, um in die Fussstapfen meiner Uroma (die übrigens Ü100 wurde) zu treten. Ich werde am Gartentor stehen und über jeden schimpfen, der vorbeifährt (das mache ich heute natürlich schon im Stillen). Also meine Uroma war darin die Meisterin. ’S Geiler-Bärbele, wie sie im Dorf genannt wurde, war niemand, mit der man sich gerne angelegt hätte. Einschub: Geiler-Bärbele nicht, weil sie die geilste von allen war (obwohl, sie war schon ne Queen im Dorf), sondern weil das ihr Familienname war. Ich schätze mit 45 war sie noch freundlich und angepasst (wie man das ja aufm Dorf oft sein muss … auch heutzutage noch).

Aber irgendwann kommen (einige) Frauen in das Alter, wo vieles egal wird. Scheiss auf schrumplige Knie, scheiss auf graue Haare, scheiss auf Freundlichsein zu allen und jedem. Wir müssen uns nicht mehr ständig um unser Aussehen bemühen und haben darum Zeit für wichtigere Dinge. Ich werde hoffentlich keine Männerhassende, in wallende Gewänder gehüllte und Toupierfrisur-Tragende ewige Selbstsucherin. Lieber möchte ich eine Mischung aus allen vier Golden Girls werden (oder ich finde noch drei Freundinnen, … die mitmachen wollen – dann möchte ich gerne Sophia sein, die übrigens sehr stark Ähnlichkeit mit ‘m Bärbele hatte).

Seit ich mit fünf Jahren anfing Barbie zu spielen, ging es immer darum hübsch auszusehen, Klamotten zu tragen, für die einen keiner auslacht und die Klappe nicht zu weit aufzureissen, um nicht mit jedem im Streit zu enden. Genauso wichtig wie die richtige Klamottenwahl, war auch die Wahl der Freunde. Wenn du Buffalos und Miss Sixty trägst, aber mit den Losern rumhängst, kann das auch nichts retten. Und Aussehen allein bringt nichts, wenn dich alle anstrengend finden. Aber Coolsein ohne gut auszusehen ist uncharmant. Als junge Frau muss man also alles sein. Hier zitiere ich mal wieder einen grossen Philosophen unserer Zeit (aus einem der besten Songs, die je geschrieben wurden) We want a lady in the street, but a freak in the bed  („Yeah“ von Usher).

Ja, mit der Barbie-Ära begann auch die Schablonen-Ära, in die ich mich selbst gequetscht hatte. Nur, dass es für mich nie wirklich eine passende Schablone gab. Meine Füsse steckten in der Weltenbummler-Schablone, mein Kopf in der Chaos-Schablone … ich wollte Schauspielerin, Autorin und Gerichtsmedizinerin werden. Ich wäre auch gerne Musical-Darstellerin geworden, Comiczeichnerin oder Profiturnerin. Überall habe ich mal einen Zeh reingedippt und es dann doch gelassen, weil der Rest von mir nicht in die Schablone passte. Es ist ganz schön mühsam, diese Jugend, wenn man überall dazugehören will und sich dabei selbst verliert.

Mit 17 hat man noch Träume (noch ein philosophischer Musik-Beitrag heute Abend) aber was ist mit 45? Ich würde sagen, aufgrund der drängenden Zeit sollte man aus den Träumen dringend Ziele machen. Raus aus den Schablonen und Mut zur ganz eigenen Form (auch wenn die nicht mehr ganz so knackig ist wie mit 17). Aber noch ist nicht die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken. Noch kann ich nicht pöbelnd am Gartentor stehen, weil mir alles egal sein kann. Es ist Zeit, die Schablonen zu zerbrechen, das Träumen beenden und die Dinge neu zu betrachten (inklusive des Blickes auf meine Knie).    

Am Ende des (Geburts-)Tages war ich erleichtert, als meine Knie wieder normal aussahen und das Schrumpelige wohl nur daran gelegen hatte, dass ich 90 Minuten wie ein Hummer im Whirlpool vor mich hinköchelte. Phuuuuu, kein Knee-Lifting nötig.

Wirklich schräger Soundtrack dieses Sonntagabends: Peggy March & Oli P. „Mit 17 hat man noch Träume“. Entdeckt bei YouTube – in geistiger Umnachtung.

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