Willkommen im Sonntags-Schaumbad! (Hier könnte eine kleine Werbeunterbrechung meines Sponsors Litamin stehen.) Wie ihr merkt, liege ich allerdings nicht in der Wanne, sondern sitze am Schreibtisch. Ein Fussbad wäre das Maximum der Gefühle – aber ich glaube, es würde meiner Konzentration schaden. Am Ende wäre ich so entspannt, dass ich einschlafe und mit dem Kopf auf die Tischplatte knalle. Neuer Punkt auf meiner To-Do-Liste: Ein Schild überm Schreibtisch mit der Aufschrift „Baden auf eigene Gefahr!“
Das ist so eine Sache mit meinen To-Do-Listen. Es sind unzählige, sie sind zu lang, und so viele Jahrzehnte habe ich gar nicht mehr vor mir, um alles abzuarbeiten. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht nur eine To-Do-Liste, sondern ein ganzes To-Do-Buch. Ich bin mir sicher, dass ein Grossteil der Punkte schon seit den späten Achtzigern darauf steht. Einer davon: In der Badewanne ein Buch lesen. Ein weiterer: Ein Buch schreiben.
Eine Freundin hat mich kürzlich auf die Idee einer Ta-Da-Liste gebracht (danke dafür!). To-Do klingt ja immer nach etwas, das man machen muss – und darauf hat man meistens keine Lust. Das sind diese lästigen Dinge, die man vor sich herschiebt, bis der Tag X kommt (wie der Tag der Steuererklärung) und es keinen Aufschub mehr gibt.
Auf meiner To-Do-Liste tummeln sich allerdings viele richtig coole Dinge, die ich unbedingt machen möchte. Und obwohl ich totale Lust auf die meisten meiner To-Does habe, gehe ich sie nicht an. Stattdessen schiebe ich sie auf … auf irgendwann. Auf den Moment, wenn ich mal krank auf dem Sofa liege. Auf die nächsten Ferien. Auf die Möglichkeit, mal arbeitslos zu sein. Auf einen Moment völliger Langeweile. Auf die Rente …
Also zurück zur Ta-Da-Liste. Auf diese Liste kommen all die Dinge, die Spass machen. Dinge, die man will und nicht muss. Und davon soll man sich jeden Tag etwas aussuchen und es mit Genuss tun. Eine wunderschöne Idee! Aber ich bekomme es nicht hin. Warum? Weil ich mich nicht entscheiden kann, welche Dinge meiner Liste ein To-Do und welche ein Ta-Da sind. Ihr schüttelt den Kopf? Testet es mal – es klingt einfacher, als es ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr viele Dinge sehr gerne mache. Nur oft eben nur für einen kurzen Moment, bis ich dann gelangweilt bin und sie in der Ecke landen. (Was meinen Hyperfokus verlässt, gerät schnell in Vergessenheit.)
Nun hat mich mein optimierender Mann auf die Idee gebracht, eine dritte Liste zu beginnen. Ich nenne sie die To-Death-Liste. Charmant wie er sein kann, waren seine Worte: „Sieh es ein, dass du zu alt bist, das alles noch zu schaffen – wie beispielsweise diese ganzen Bücher im Regal noch zu lesen. Streich die Punkte von deiner Liste.“
Schluck. Loslassen ist ja nicht meine Stärke. Etwas Unerledigtes von meiner Liste zu streichen und somit auch aus meinem Leben, fühlt sich an, als würde ich nicht zum Bus rennen, obwohl er noch an der Haltestelle steht (und ich es noch schaffen könnte). Wer mich kennt weiss: Ich würde niemals losrennen, um den Bus noch zu erwischen … aber der Vergleich ist dennoch treffend.
Diese dritte Liste war übrigens ganz und gar nicht seine Idee. Er meinte lediglich, ich müsse Punkte von der Liste streichen. Aber ich möchte nicht, dass Dinge weg sind. Also schiebe ich sie auf dieses Abstellgleis namens To-Death-Liste, von wo ich sie theoretisch doch noch reaktivieren könnte. Das ist nicht wirklich loslassen – eher wie Klamotten, die man in den Altkleidersack steckt und dann drei Monate im Keller stehen lässt.
Genug Bilder für heute … Worauf ich hinaus will: Ich gehe gerade eines meiner All-Time-Favorite-To-Does an und schreibe an einem Buch. Ein schmales Buch, aber immerhin. Also falls ihr die nächsten zwei Monate nichts von mir hört, liegt es daran, dass ich dieses To-Do zum Ta-Da gemacht habe, um es vor dem To-Death zu bewahren.
Vielleicht habe ich euch ein wenig verwirrt an diesem Sonntagabend. Nehmt ein Fussbad zur Entspannung oder ein Vollbad mit viel Schaum! Und dann fragt euch: Was würde auf meiner To-Do-Liste stehen? Was wäre ein Ta-Da? Und was ist soweit, dass es auf die To-Death-Liste kann? Schreibt mir das gerne – ich bin unfassbar neugierig, ob nur ich zu viele Punkte mit mir herumschleppe.
Sonntags-Soundtrack: Get Busy (Sean Paul)
