Von Überlebenskämpfen, Vampiren und der Schwarzwaldklinik

Nach etwas Recherche habe ich den Ort gefunden, wo ich mir in der Schweiz Litamin für mein nostalgisches Sonntagsschaumbad kaufen kann: Müller. Yeah! Ich mir also gedacht: „Wie praktisch, dass ich Freitag sowieso zum Augenarzt in die Big City muss. Da schnei’ ich beim Müller rein und hol’ mir den guten Stoff.“ Nur habe ich nicht damit gerechnet, dass ich nach dem Augenarzt im Schmerzdelirium, triefend, tränend und quasi blind durch Bern irre. Krass, wie aufgeschmissen man gleich ist, wenn einer unserer Sinne versagt.

Mittlerweile ist Sonntagabend, und der Sinn ist noch immer sehr eingeschränkt. Ich sehe die Buchstaben hier verschwommen und nicht an dem Ort, wo ich sie hintippe. Ausserdem sitze ich mit Sonnenbrille vorm Laptop – was mich fast schon wie einen Star fühlen lässt (I wear my sunglasses at night …). Die trage ich seit Freitag, um die Wasserfälle an Tränen zu stoppen. Sicher sollte ich die Augen mit Blick ins Grüne, Schlaf oder anderen Entspannungstechniken schonen, aber ich muss jetzt einfach mal zwischendurch etwas anderes machen. Ein ganzes Wochenende ohne TV, Lesen, Schreiben oder einfach dumm vor einem der vielen Alltagsbildschirme zu sitzen, die das Leben bietet, ist gar nicht so einfach. Gefühlte Wahrheit: ALLES passiert auf einem Bildschirm. Wie haben wir das denn früher gemacht?

Da ich gerne schreibe, müsste ich jetzt von mir behaupten, dass ich ja schon IMMER ein Büchermädchen war. Seit ich lesen kann, verschlinge ich ein Buch nach dem anderen, tauche ein in Fantasiewelten und vergesse alles um mich herum. Das ist es, was wohl jeder immer von mir erwartet zu hören. Die Wahrheit ist eine andere: Bücher gingen mir als Kind ziemlich weit am A… vorbei. Selbst die Pflichtlektüre in der Schule habe ich nur grob überflogen oder einfach gleich zu Königs Erläuterungen gegriffen. Bis auf die Bücher vom Kleinen Vampir (ja, vor Edward gab es Rüdiger!) hat mich nicht viel interessiert. Aber Rüdiger von Schlotterstein und Anton Bohnsack fand ich lesenswert. So landete ich dann auch bei Brad Pitt (Interview mit einem Vampir), Tanz der Vampire und dem legendären 80er-Film The Lost Boys. Beide Coreys und dazu noch Kiefer Sutherland – mein Vor-Teenie-Herz stand in Flammen, und ich träumte davon, dass mich nachts einer von ihnen zur Vampirin machen würde. Womöglich kommt daher meine tiefe Hass-Furcht vor Knoblauch *würg*. Und es würde auch erklären, warum ich den ganzen Sommer Besuch von einer Fledermaus hatte (Betty, wo bist du jetzt?).

Ja, ich war eine Fernsehglotzerin. Ob Ein Colt für alle Fälle, die Schwarzwaldklinik oder Alf – ich habe alles geschaut, was auf den mir zur Verfügung stehenden drei Sendern geboten war. Die Schwarzwaldklinik war mein persönliches Wochenend-Highlight. Niemand konnte Oberschwester Hildegard und ihrem Schwarzwald-Charme das Wasser reichen. Später gab es dann eine Satellitenschüssel auf dem Dach und nochmal 90210 Gründe weniger, ein Buch in die Hand zu nehmen. 😉

Mittlerweile lese ich etwas mehr – seit Tagen will ich die letzten 30 Seiten eines Buches lesen, kann jedoch die Buchstaben nur schwer entziffern – aber von einer Leseratte bin ich weit entfernt. Es geht mir einfach nicht schnell genug und: Ich habe keine Bilder im Kopf (klingt komisch, ist aber so!). Gemein nur, dass neben meinem nicht vorhandenen inneren Auge jetzt auch die äusseren versagen.

Also, bevor meine Augen noch komplett ihren Dienst quittieren, beende ich das hier. Ich lasse mir das Badewasser ein, denn ich habe mich Freitag mit letzter Kraft im Überlebenskampf wirklich noch in den Müller geschleppt, um mir eine Flasche von dem guten Zeug zu kaufen. „Und wenn es das LETZTE ist, was ich tue“, dachte ich mir und tastete mich durch die Müller-Regale. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es den Kampf wert war und es noch genauso lecker und schaumig ist, wie ich es von 1989 in Erinnerung habe. Ich tauche dann mal ab und wünsche euch eine gute neue Woche! Solltet ihr mich suchen, probiert’s beim Augenarzt. Ich bin die, die durchs Wartezimmer schwankt, weil sich gefühlt die ganze Welt zu schnell dreht.

Heutiger Soundtrack: Sunglasses at night (Corey Hart – noch ein Corey!! …und so schön 80er)

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