Es gibt kein Bier auf Hawaii

Es gibt kein Bier auf Hawaii (ob Paul Kuhn das tatsächlich mal überprüft hat, bevor sein Lied zum Sauf-Gröl-Hit wurde?) in Holland fahren alle kiffend Fahrrad und in Grossbritannien regnete es ständig. In Deutschland wird dafür am Samstag die Strasse gefegt bevor am Sonntag der Braten aufgetischt wird. Die Schweizer sind langsam und essen jeden Tag Käse, die Franzosen wissen das Leben zu geniessen und sind Romantiker und in Spanien macht jeder Siesta und isst Paella. Alle Russen trinken Wodka, die Argentinier tanzen Tango und die Afrikaner wohnen in Lehmhütten zwischen Löwen und Giraffen. In Finnland hat jeder eine Sauna, ein Gericht in Ungarn besteht zu 50% aus Paprika und jeder Kubaner fährt einen Oldtimer. Nicht zu vergessen die Amerikaner, die jeden Tag bei McDonald’s essen, die Isländer die alle Bart und Karohemd tragen und die Italiener, die noch mit 30 bei der Mama wohnen.

Klischeebelastet ist glücklicherweise jedes Land, woher die Klischees kommen wäre mal eine ausgiebige Recherche wert – aber bestimmt haben schon 30 Leute ein Buch zu dem Thema geschrieben.

Wir waren jetzt also zweieinhalb Wochen in England. Dem Land, das bekannt ist für Dauerregen, pisswarmes Bier, merkwürdige Essenskombinationen (Karottensalat mit Rosinen und Minze), Tee statt Kaffee, die Königsfamilie, Fussball, Tattoos am ganzen Körper, Linksverkehr und natürlich den Brexit. In unserem Fall darf auch die Rosamunde Pilcher nicht vergessen werden, die hinter jeder Klippe von Cornwall ein romantisches Happyend vom Stapel lässt.

Ganz im Rosamunde-Style haben wir uns ein Cottage auf dem Land gemietet. James – wie auch sonst sollte der englische Hofherr heissen? – liess uns den Schlüssel stecken, damit wir bei unserer Ankunft, am späten Abend, entspannt einziehen konnten. Meine Entspannung war nur von kurzer Dauer. Bei meinem Hausrundgang freute ich mich über das schöne Badezimmer, wurde dann aber von einer handgrossen – ganz klar die Grösse einer isländischen Männerhand – Monsterspinne überrascht, die gerade ein Bad nehmen wollte. Glücklicherweise folgte Manuel meiner Anweisung „geh‘ mal ganz schnell ins Bad da ist was in der Badewanne“ und erkannte an meinem kötzerfüllten Blick, dass es sich um etwas lebendiges handeln musste. Tapfer tötete er die cornische Mutantenspinne für mich und ich war mir nicht sicher, ob das vielleicht zum Welcome-Pack mit Cornish Coffee, Tee und Lemon-Cake gehörte. Quasi das Landhaus-Feeling-Paket.

Tatsächlich bekamen wir in den 14 Cottage-Tagen fast täglich von 1-2 dieser Exemplare Besuch und Manuel wird nach diesen Ferien wohl künftig in einem Atemzug mit Ted Bundy und Charles Manson genannt werden. Seine psychopathische Frau, also ich, hat ihn zu diesen Taten angestiftet und Tapfer hat er sich gefügt während ich kreischend auf nem Stuhl stand. Das grosse Spinnen-Finale war dann als beim Einkaufen haarige, dicke Beine aus Manuels Kaputzen-Pulli seinen Hals entlang gekrabbelt sind. Zum Glück hat er sie automatisch weggeschnippst bevor er sehen konnte wie gross dieses Exemplar war. Einer alten Frau, die das Szenario beobachtet hat, sind fast die Augen ausgefallen vor Entsetzen. Jetzt kann ich nur hoffen, dass keine von denen beschlossen hat mit uns auf eine Schiffsreise – im Koffer – zu gehen, um dem Brexit zu entkommen.

Aus den Reihen der Nicht-Spinnen-Phobiker höre ich an dieser Stelle ein Raunen: „Man muss die armen Tiere doch nicht töten. Besser in einem Glas fangen und raus, zurück in die Natur“. Glaubt mir, so ein grosses Glas hatte der Schrank nicht im Repertoire und von draussen wäre sie einfach wieder hereinspaziert, schliesslich ist schon Herbst. Ich nehme also die Verurteilung wegen Spinnen-Shaming an, dafür waren wir mit dem Auto hier und haben das Flug-Shaming ausgelassen – wer weiss überhaupt noch wofür man sich gerade alles schämen muss?

Das Wetter war überdurchschnittlich gut – was ist Regen? – und auch das Essen konnte sich sehen lassen. Die Engländer waren allesamt freundlich, hilfsbereit und extrem entspannt. Ein Klischee haben wir uns dennoch erfüllt: den Afternoon tea. Gefühlt haben wir uns, gerade mal zwei Stunden nach dem Mittag- und zwei Stunden vor dem Abendessen durch eine dreistöckige Mischung aus Kuchen, Cremes und Sandwichs gefuttert. Ich frage mich, wie die Queen das jeden Tag durchsteht – aber lecker war es.

So, nun widme ich mich dem letzten Wäscheberg und hoffe, dass dabei nichts zum Vorschein kommt, was besser in England geblieben wäre, denn der Charles Manson ist schon wieder bei der Arbeit und meine Nerven sind nicht stark genug für eine cornische Cottage-Spinne. Drückt mir die Daumen!

Um euch die haarigen Krabbeltier-Bilder wieder aus dem Kopf zu verbannen bekommt ihr hier noch eine kleine Foto-Show – viel Spass damit:

Unser Cottage
Unser Cottage
Suchbild: Finde die Spinne 😉
Strassensperre
Selfie
Falls man mal schnell ne Mail schicken muss…
"Pferd an Meer"
Pferd an Meer
Der hat definitiv seine Ruhe
Der hat definitiv seine Ruhe
Rosamunde hätte es nicht schöner machen können
Rosamundiger geht fast nicht
Eastbourne
Eastbourne
Hausgemachte Cookies im B&B – sooooo lecker
Ist etwa ein Kubaner hier?
Erika hat schon Freunde gefunden

4 Gedanken zu “Es gibt kein Bier auf Hawaii

  1. Hey wo bleibt den der Bericht über das Heckenfest! 😉 Große aus Schutterwald

    Bei Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Tobias Kapp

    Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft (IHK)

    Immobilien Management Kapp

    Fabrikstr. 9, 77746 Schutterwald

    Telefon:+49 (0)781 / 967 596 66

    Mobil:+49 (0)151 / 258 072 50

    E-Mail: info@immo-kapp.de

    Internet: http://www.immo-kapp.de

    Gefällt 1 Person

      1. Sooooo schön lustig geschrieben und soooo zauberhaft romantische Bilder 😍.. Wobei ein Bild der Spinne 🕷 hätte ich erwartet 😜

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