Türchen Nummer 23

23. Dezember
23. Dezember

Na, habt ihr schon gewartet?

Ich musste mich jetzt erstmal ins heimisch-deutsche Wlan einwählen. Und „hellloooo“ da bin ich 🙂 Im Hintergrund läuft SWR3 und draussen herrscht das typisch badische Weihnachtswetter: grau in grau, 7 Grad und alle paar Minuten nieselt es etwas vom Himmel runter.

Ich bin ja der Meinung, an Weihnachten sollte man entweder im Tiefschnee versinken oder am Strand grillen. Alles dazwischen ist nicht akzeptabel. An dieser Stelle schicke ich herzlichste Weihnachtsgrüsse in den neuseeländischen Sommer (legt mir auch was auf den Grill).

SWR3 spielt gerade die Fugees mit „Ready or Not“. Das war 1996 und wie ihr wisst katapultieren mich alte Lieder immer in irgendeine Zeit und Situation zurück (jaja, das weibliche Gehirn). Ganz speziell ist es allerdings, wenn ich gerade in der Heimat bin und ein Lied im „Heimatradio“ läuft, dass mich auch mit der Heimat verbindet.

1996 war unser Abschlussjahr. Mittlere Reife. Wir waren alles mögliche, aber reif konnte man es nicht nennen. Drum heisst es wohl auch mittlere Reife, wir waren leicht angereift. Die Nacht vor unserem Schulaustritt wollten wir vor der Schule übernachten. Eingerollt in die Mumienschlafsäcke der 90er lagen wir also vor der sicher verschlossenen Tür (hinter der auch die Toiletten waren). So lange, bis die Polizei kam und uns darauf hinwies, dass wir das nicht durften. Da waren wir gerade mittel-gereift und schon wieder gab es Grenzen, die uns aufgezeigt wurden. Wir rollten also die Schlafsäcke zusammen, klemmten uns Ghettoblaster, die Smirnoff-Ice, Sekt- und Saurer-Apfel-Flaschen unter den Arm und wechselten die Schlafstätte. Auf dem Aldi-Parkplatz verbrachten wir den Rest der Nacht. Immerhin waren nicht gerade Computer und TV-Geräte im Angebot, sodass wir den Parkplatz auch nicht mit Shoppingwütigen teilen mussten. Leider endet hier meine Erinnerung, und auch mein Telefonjoker hat an diese Nacht nur die Erinnerung der Aldi-Leuchtreklame parat. An alle, die dabei waren: helft uns mal bitte weiter (ich schalte extra die Kommentarfunktion wieder frei) 😉

Jetzt wisst ihr, welche Bilder mir bei den Fugees so durch den Kopf fliegen (eine Nacht auf dem Aldi-Parkplatz) 😉 Ja, früher war man mit wenig zufrieden.

So auch ganz früher. Ich habe da mal was über meine früheste Kindheit ausgegraben und einen kleinen Ausschnitt für euch aufbereitet. Weil Weihnachten ist teile ich das mit euch. Viel Spass damit und nehmt nicht alles zuuuu ernst, was ihr so von mir lest 😉

Grüsse ins SWR-Land und den Rest der Welt, eure Effi (Erika habe ich in der Schweiz vergessen – upps).

Rosafarbene Dramen (ein kleiner Auszug)

Alles fing damit an, dass Peter mir zu meinem 5. Geburtstag die Kassette der Kinderhitparade schenkte. Für mich ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er sich mir, tanzenderweise, annähern wollte.

Nach dem offiziellen Teil den so ein Kindergeburtstag in den 80ern forderte, Mohrenkopf-Wettessen, Topfschlagen, Reise nach Jerusalem und Blindekuh, nahm ich das mir gegebene Zeichen des Universums, drückte Play für die Kinderhitparade und wollte Peter den ersten Tanz schenken. Er wollte es doch auch! Oder doch nicht? Er schnappte sich Inka. Na prima, eine meiner drei besten Freundinnen, der ich ja nicht mal böse sein konnte, und wirbelte sie zur Schlümpfe Version von 99 Luftballons durch mein Kinderzimmer. Da man als 5-jährige noch nicht allzu viele Männerfreundschaften pflegt blieben mir nur noch Daniel, der sich gerade in der Nase popelte und mit der Ausbeute Saskia beschoss, und der schielende Alex. Ich wägte kurz ab einen von ihnen als Ersatzmann zu missbrauchen, entschied mich dann aber doch für ein weiteres Stück Marmorkuchen. Was hatte ich da jetzt nur falsch verstanden?

Ab diesem Tag hätte mir klar sein müssen: das Universum und ich sprechen nicht die gleiche Sprache! Auf jeden Fall wird das Radio noch heute abgestellt, wenn Nena anfängt mit „hast du etwas Zeit für mich…“. Nein habe ich nicht!

Nach dieser Kindergartenpleite ließ ich erstmal die Finger von den Jungs, die waren eh alle blöd und eklig. Mit fünf traute man sich das auch noch öffentlich und laut durch den Raum zu brüllen. Ich konzentrierte mich auf meine Freundinnen Miri, Inka und Saskia und auf meine Barbies.

Danke Matel, ihr habt mich jahrelang ans Kinderzimmer gefesselt, denn ich konnte mein dreistöckiges Barbie-Haus mit Aufzug ja nirgendwohin mitnehmen.

So spielte ich fröhlich und friedlich vor mich hin. Kämmte, kreierte Frisuren, zog an, zog aus, fuhr vom zweiten in den dritten Stock, stellte die Möbel um und kürte jeden Tag eine andere zur Schönsten unter den Puppen. Alles war wunderbar in meiner rosa Welt. Bis dann, zu jenem einschneidenden Erlebnis. Meine idyllisch blonde Barbie-Welt wurde von einem Moment auf den anderen erschüttert, gestört und zerrüttet. Nichts sollte mehr sein wie es war: man schenkte mir einen Ken!

Da waren jetzt also meine 10 Barbie-Frauen und der gutaussehenden Ken mit seinen weißen Tennisschuhen, seiner schwarzen Plastik-Föhnwelle und seinem verschmitzten Lächeln. Heutzutage heißt das übrigens der Bachelor und läuft im Privatfernsehen.

Seit diesem Tag wusste ich, dass ein Typ einfach alles durcheinander bringt und nichts mehr ist wie es vorher war, erscheint er erst mal auf der Bildfläche. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welche von meinen zehn nun „Frau Ken“ werden sollte. Die mit den blondesten Haaren, mit dem schönsten Gesicht, mit dem schickesten Kleid oder lieber doch die Frisör-Barbie, die Pferde-Barbie oder die mit dem coolen Roller…oh Gott was hatte ich da auf einmal für eine Verantwortung. Und was, wenn ich ihm die falsche aussuchen würde oder wenn die anderen traurig oder zickig sein würden? Das war alles zu viel für mich, also war jeden Tag eine andere „Frau Ken“ (wenn ich mir das recht überlege habe ich 1988 wohl schon das Bachelor-Konzept entwickelt). Somit war mein Männerbild geprägt von einem gut aussehenden, dunkelhaarigen Typ bei dem die Frauen Schlange stehen und der deshalb einfach jeden Tag eine andere datet… von diesen Typen sollte ich noch einige kennenlernen später. Hätte ich das da schon gewusst, wäre ich wohl lieber in mein Barbie-Haus eingezogen.

Das wahre Gesicht hinter dem Bachelor-Erfolgs-Konzept 😀

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