Türchen Nummer 21

21. Dezember
21. Dezember

Nightmare before christmas

Es ist also der 21. Dezember. Noch drei Tage bis Heiligabend. Noch 2,5 Tage, um Last-Minute Geschenke zu kaufen. Noch 1 Tag, um im Onlineshop etwas mit Premium-Versand zu bestellen, und zu hoffen, dass die Post es nicht versaut. Das Eis wird dünn, dies Zeit läuft und merkwürdigerweise kommt Weihnachten auch dieses Jahr wieder so total überraschend, so schnell, so völlig unerwartet.

Als Kind war das einfach, da habe ich Gutscheine gebastelt und Bilder gemalt. Sicher würde sich Papa auch dieses Jahr freuen, über einen Gutschein für 1x den Geschirrspüler ausräumen und den Müll runter tragen. Für den Rest der Familie flöte ich dann zwischen Raclette und Geschenkeauspacken zwei Weihnachtslieder und somit wäre ich raus, aus der Geschenkenummer. Ja in den 80ern war die Welt noch in Ordnung, das Leben war so unbeschwert, bevor das Gehirn die Grübelfunktion entdeckte.

Die Grübelfunktion ist überhaupt das Unnötigste, was es im Körper gibt. Statt den Blinddarm sollte man eher die entfernen, vor allem bei Frauen. Wir können ja über wirklich ALLES grübeln. Und das nicht nur einmal. Auch kennt diese Störung im Oberstübchen keine erträglichen Arbeitszeiten. Am liebsten arbeitet die Grübel-Zentrale vor dem Einschlafen oder, noch viel schlimmer, beim Zwischendurch-Aufwachen nachts.

Da quäle ich mich aus dem Tiefschlaf ins Bad, weil ich nachts aus blöder Angewohnheit nen halben Liter Wasser in mich schütten muss, und in dem Moment, in dem ich den Lichtschalter anknipse, fährt der Arbeits- PC des Denk-Imperiums auch schon hoch. So kommt es dann, dass ich um 2:32 Uhr wieder im Bett liege, eigentlich froh darüber, dass es noch 3,5 Stunden sind bis ich den Wecker nochmal zum Schlummern auffordern kann, und dann kommt der Gedanken-Tsunami und überrollt mich.

Ganz selten schaffe ich es, das Treiben in meinem Kopf zu ignorieren und schlafe weiter. Leider sieht die Realität doch eher so aus, dass dann auf einmal alles in meinem Kopf zusammen eine Polonaise tanzt. Da reihen sich Vergangenes mit Geplanten aneinander, untermalt von Songtexten, die ich am Tag nur mühsam zusammenbekomme und im Hintergrund flattern unzählige To-Do-Listen durch die Luft (ich will hier jetzt aber nicht behaupten, ich hätte Luft im Hirn). Spätestens jetzt sind die anderen Sinne dann auch wach „was raschelt hier?“, „wonach riecht es denn?“, „es ist so hell, ist denn schon wieder Vollmond?“… all dieser Scheiss reiht sich brav mit ein, in die Mitternachts-Tanztee-Gesellschaft.

Bei genau so einer, nächtlichen, Oberstübchen-Party ist mir dann auch eingefallen, dass ich noch ein paar Geschenke besorgen sollte und Karten. Oh mannnn. Jedes Jahr, im Sommer, nehme ich mir vor „dieses Jahr verschickst du Weihnachtskarten“. Noch besser würde mir sogar ein Weihnachtsbrief gefallen. So wie in den USA, wo man seiner Familie, den Freunden und Bekannten in einem schönen Brief von seinem vergangenen Jahr erzählt und sie so auf den neuesten Stand der Dinge bringt. Glitzerpapier, Aufkleber, das ganze Repertoire darf nicht fehlen. Im Weihnachtsbrief stehen alle Familienneuigkeiten, was dann etwa so lauten könnte „Die kleine Julia isst nun endlich auch Zwiebeln und der Hund bekommt im Alter eine schlechte Verdauung, sodass wir nur noch einmal am Tag Gassi gehen müssen“.

Hier mein Aufruf: schickt mir einen Weihnachtsbrief (zu Neujahr dann). Ich habe so viele von euch im Herzen und im Kopf (auch nachts), bin aber oft zu tippfaul oder einfach zu beschäftigt mit tausend Dingen, um bei all euren Lebe up to date sein zu können. Warum auf nächstes Weihnachten verschieben? Ich finde das einen super Brauch, den die Amis da zelebrieren und würde mich über eure News freuen. Und jetzt kommt mir nicht mit „alles beim Alten“ denn das gibt es nicht. In einen Weihnachtsbrief kommen die alltäglichen Dinge. Wo wart ihr in den Ferien 2018, welches eurer Kinder ist jetzt stubenrein, welches Buch hat euch im vergangenen Jahr berührt, was sind eure Pläne für 2019, mit welchem Nachbarn habt ihr Zoff, und und und…? Um hier Franz, von Sissi & Franz der Bullyparade, zu zitieren: „raus damit, du Sau!“.

Ich wünsche euch viel Erfolg bei den Last-Minute Käufen und rate euch zur Not doch Gutscheine zu basteln und Flöte zu spielen. Das ist zeitlos und sorgt auf jeden Fall für viele Lacher unterm Weihnachtsbaum. Hiermit werde ich einen meiner 158 Gutscheine der Vergangenheit einlösen und am 25. Dezember den Geschirrspüler ausräumen (den Müll trage ich dann nächstes Weihnachten runter).

Und jetzt ran, an den Weihnachtsbrief – wer nicht schreiben will kann mir auch ein Bild malen oder einen Gutschein schicken (Dunstabzugshaube entfetten wäre super).

Effi & Erika (von der ich natürlich auch einen Weihnachtsbrief erwarte)

PS: Der Letzte spuckt die Kerzen aus!

Kind blässt Kerzen am Adventskranz aus
Hoch konzentriert – so, Feierabend !