Türchen Nummer 9

Mit den Ohren schreiben

Sicher kennt das jeder von euch: man hört ein Lied und plötzlich sind da tausend Bilder und Geschichten im Kopf. Ob es sich nun um Erinnerungen handelt oder man einfach seinen eigenen Film dazu im Oberstübchen beginnt zu kreieren… Music is the keywer hat das eigentlich gesagt? Ach ja, Sarah Connor mit Naturally 7 im Jahr 2003 -.

Tatsächlich ist Musik der Schlüssel zu vielem. Wie vorgestern bereits erwähnt, ist Musik schon immer sehr wichtig für mich. Mit gerade mal 3 Jahren bekam ich eine Flöte. Die existiert sogar noch, in einer Kiste im Keller. Ab da flötete ich, was das Zeug hielt. Am liebsten morgens um 6 Uhr vor dem elterlichen Schlafzimmer. Dadurch lernte ich, auch ohne Publikum, vielleicht sogar mit etwas Shitstorm, immer weiter zu machen und mich nicht entmutigen zu lassen.

Als die Hände dann gross genug waren stieg ich um auf Klarinette. Später versuchte ich mich noch mit Keyboard, Gitarre und Saxophone – ja ich testete schon immer gerne, wie viele Dinge ich gleichzeitig machen konnte (jetzt gerade: tippen, denken, Frühstück machen, mir überlegen ob ich das Fenster schliessen soll weil es kalt wird, grübeln was ich am Nachmittag mache und nebenbei noch Rückenschmerzen verdrängen).

Handy, MP3-Player und Laptop sind voll mit Playlisten. Für jede Gefühlslage der passende Soundtrack. Körper und Geist funktionieren dann von alleine. Fangen zum Beispiel die Simple Minds an, den 80er Klassiker „Don’t you forget about me“ zu singen ist in Windeseile, und gut gelaunt, die Wohnung geputzt. Auch ein toller Putz-Sound sind „Wake me up before you go-go“ von Wham, Don Henleys „The boys of summer“ und natürlich Kenny Loggins mit „Danger Zone“ und „Footlose“. Es ist, als würde einem die kalifornische Meeresbrise beim Staubsaugen durchs Haar wehen.

Beim Feelgood-Sound gehört für mich noch alles dazu, was als moderner (new/hot) Country bezeichnet wird. Wenn ich morgens das Internetradio anstelle sitze ich gedanklich schon am Lagerfeuer in der Prärie und warte auf den Cowboy. Warum sollte ich mir den Start in den Tag mit Meldungen über Politik, Wetter und Verkehr vermiesen? Lieber lasse ich mir von Keith Urban, Tim McGraw und den Dixie Chicks den Kaffee eingiessen und spiele Luftgitarre: “Who wouldn’t wanna be me”.

Dann gibt es noch den Sound der verrückten Jahre. Hier sprudelt das Hirn besonders wild und bunt. Kommen mir Hip-Hop Sounds der (plus-minus) Jahrtausendwende ins Ohr, gibt es kein Halten mehr. Hüftschwung, Arme in die Luft, Text auf den Lippen – yeah, dazu zitiere ich Lil‘ Kim „ganz egal wo“. Verrückt, was der Kopf alles über eine so lange Zeit speichern kann. Gefühlt habe ich zehn Jahre, ohne Unterbrechung, zu jedem Hip-Hop Song getanzt. Donnerstag 22 Uhr bis Montag Morgen 1 Uhr gab es jahrelang nichts Wichtigeres als tanzen, tanzen, tanzen. Hach, wie gerne würde ich manchmal die Uhr zurückdrehen und noch einen Abend in unserem geliebten Zentrum der Nacht verbringen.

Bevor ich mir vor lauter Schwung die Hüfte auskugle, machen wir besser weiter im (Song)Text.

Die Heulnummern. Kennt ihr doch alle auch. Diese Lieder, die wir stundenlang in Dauerschleife rauf und runter gehört haben, und es manchmal immer noch tun, um dazu Rotz und Wasser zu schluchzen. Nach der zehnten Wiederholung wusste man schon gar nicht mehr warum man jetzt eigentlich diese Weltuntergangsstimmung hatte, machte aber dennoch weiter. Ganz dramatisch ging es zu bei „Out here on my own“ vom Fame-Soundtrack oder auch „Always“ von Bon Jovi.

Dann gibt es noch die Musik, die uns an einen Ort beamt. Läuft irgendwo „How Bizarre“ von OMC stehe ich in Gedanken in den USA und singe Karaoke. Bei „Brown Eyed Girl“ von Van Morrison muss ich immer an meinen 1. Arbeitstag auf Mallorca denken und bei Joss Stones „Super Duper Love“ liege ich gedanklich an einem leeren Pool und geniesse die Morgensonne. Genauso gibt es unendlich viele Songs, bei denen sich in meinem Kopf Choreos von Fitnessstunden abspielen. Ich fühle sogar, dass mein Puls dann in die Höhe schnellt, ohne dass ich mich dafür bewegen muss. Glaube versetzt Berge 😉

Last but not least erinnert uns Musik auch an Menschen. An einen gemeinsamen Moment oder einfach an eine bestimmte Zeit, die man mit diesen Menschen hatte. So wird Gentleman immer der Sound sein, der mich an eine super Zeit mit zwei inspirierend-lustigen und verrückten Brujas (Hexen) erinnert „you remember“. „Mr. Vain“ von Culture Beat oder „Cotton eye Joe“ von Rednex sind ganz klar die Beats meiner Jugend, bei denen wir im Klassenzimmer die 10-Minuten-Pause durchtanzten (wir waren die coolste Klasse, mit einem Ghettoblaster im Schrank, damit wir uns zwischen den Stunden austoben konnten).

Ihr seht, mein Kopf ist so vollgestopft mit buntem Krimskrams, dass es längst an der Zeit ist, all das mal raus zu lassen 😉

Einen schönen 2. Advent euch allen. Erika und ich whamen jetzt etwas: „Last christmas I gave you my heart but the very next day….“

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