Türchen Nummer 2

Na, brennt eure 1. Advent-Kerze schon? Dann lasst dazu nochmal einen Kaffee raus und lehnt euch gemütlich zurück, ich möchte euch etwas ans Herz legen:

Erika liest – Folge 1

Ich hatte ein sehr lesereiches Jahr, ganz anders als die +/-30 davor. Das Besondere daran war, ich habe nicht nur Bücher gelesen, die schon in den Verkaufsregalen stehen. Nein, ich habe mich als Versuchskaninchen in die Welt der Testleser, oder auch Betaleser genannt, gestürzt. Was für eine Bereicherung.

Autoren schreiben oft über Monate vor sich hin, in ihrem stillen Kämmerlein. Ist die letzte Zeile dann vollendet müssen sicherlich zuerst mal Freunde und Familie daran glauben und es testlesen. Da hier natürlich alle Angst vor Ärger haben – „was, mein Buch gefällt dir nicht, na gut, dann heute kein Mittagessen für dich“ – brauchen die Autoren noch neutrales Feedback von aussen, bevor es dann weitergeht zum Lektorat und Korrektorat. Betriebsblind und eventuell schwer verliebt in den Nachwuchs, der einem da auf dem Bildschirm entgegen lächelt, kann man selbst nicht erkennen ob sich Denk- und Sinnfehler eingeschlichen haben, ob es für andere auch so spannend ist wie für einen selbst und und und. Dafür sucht man sich dann die Testleser.

Mit meinem allerersten Testleseprojekt habe ich den Hauptgewinn gezogen. Nicht nur, dass das Buch einfach wahnsinnig schön zu lesen war und mich gefesselt hat, obendrauf ist die Autorin, mindestens, genauso toll wie ihr Buch. Die Zusammenarbeit war eine Inspiration für uns beide. Wir hatten eine tolle, wertschätzende Zeit zusammen und besser hätte ich es für mein „erstes Mal“ gar nicht treffen können.

Meine Buchvorstellung schmücke ich mit, für mich, schönen Zitaten aus dem Buch damit ihr ein Gefühl für die Stimme des Buches bekommt. Aber keine Angst, zu viel wird nicht verraten!

Klosterkind von Anna Castronovo

Klosterkind von Anna Castronovo

Sizilien 1981 – Das Buch erzählt die berührende Geschichte der siebenjährigen Filomena, die von ihrer Mutter in ein sizilianisches Klosterinternat gebracht wird. „Sie ging einfach weg und liess mich hier, bei dieser Fremden, die fahle, faltige Haut hatte und nach Gemüsesuppe roch.“

Um zu fliehen, macht sie sich auf die Suche nach einem unterirdischen Gang und stösst bei ihren heimlichen Streifzügen auf die Spuren von Suor Maria Crocifissa della Concezione, die vor dreihundert Jahren im selben Kloster lebte. „Meine Augen füllten sich mit Tränen und ich rannte hinaus. Als die Tür hinter mir ins Schloss eingeschnappt war, schwor ich mir, ihre Kammer nie wieder zu betreten.“ Die Geschichte der Nonne zieht Filomena immer mehr in ihren Bann, bis sie eines Tages beginnt, von Madre Crocifissa zu träumen…

Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich in die Finsternis. Da war niemand. Ich versuchte aufzustehen, aber ich schaffte es nicht, mich aufzurichten. Was das auch immer war es wollte mich nicht gehen lassen.“

Der Leser verbringt die Kindheit und Jugend der kleinen Filomena gemeinsam mit ihr bei den Nonnen im sizilianischen Kloster.

Die Fensterläden waren geschlossen und das Gras stand hoch im Garten. Faulige Früchte, die niemand geerntet hatte lagen am Boden herum.“ […] „Ich war mutterseelenallein. Keiner wollte mich. Nicht einmal meine eigene Mutter. Und das war schlimmer, als dem Teufel zu begegnen.“ […]

Warum wurde Filomena ins Kloster gebracht? Wird sie ihre Mutter je wiedersehen? Und was hat es mit der geheimnisvollen Nonne auf sich?

Die Klostergeschichte und die Legenden um Madre Crocifissa beruhen auf wahren historischen Begebenheiten.

Erika verschlingt das Klosterkind

Ich stelle euch Klosterkind als 1. Buch bei Erika liest vor, da es für mich das AHA des Jahres 2018 war. Einerseits, als meine persönliche Premiere des Testlesens und dem Verlassen meiner Komfortzone, denn historische Romane standen bei mir bislang nicht auf der Leseliste. Andererseits weil mich die Geschichte gefesselt hat, inhaltlich, aber auch aufgrund der Schreibweise. Anna verwendet im richtigen Moment die richtigen Worte und hat mich, so oft, mitten ins Herz getroffen, sodass ich nicht selten zwischendurch Lesepausen machen musste, weil mir Tränen die Sicht vernebelt haben.

Wenn ihr es gelesen habt würde ich mich sehr darüber freuen, mich mit euch darüber aus zu tauschen. Vielleicht habt ihr auch all die kleinen Diamanten im Buch entdeckt, über die ich so oft, lächelnd, gestolpert bin und mir dabei dachte „Anna, das ist genial“.

Danke für die Chance, liebe Anna, und für die Erfahrung und Inspiration!