Boooohoooo!

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Boooohooooh !

In vielen Ländern interessiert heute nur die eine grosse Frage: Süsses oder Saures?

Vor den Häusern leuchten ausgehöhlte Kürbisse, oder der neuste Trend: die Halloween-Ananas (macht mal Google-Bildersuche, soooo cool). Die Türrahmen sind geschmückt mit Spinnweben, welche die restliche Zeit des Jahres doch so sorgfältig weggewedelt werden, bevor es sich dort eine Hausspinnenfamilie zu gemütlich machen kann. Kinder ziehen in schauriger Verkleidung durch die Strassen, und die Spukhäuser, die uns das Fürchten lehren sollen, sind eröffnet. Wer sich nicht nach draussen traut kann einen Gruselfilm-Marathon im TV starten. Erst kommen von allen erdenklichen Serien die Halloween-Folgen und danach kann man, passend zur bestellten Halloween-Pizza, die Horrorklassiker Nightmare, Halloween und Texas Chainsaw Massacre schauen, bis man die Pizza wieder auskotzen möchte.

Mein erstes und einziges amerikanisches Halloween, und überhaupt mein einzig richtiges Halloween, war 2003 in Saint Louis. Die Au-Pair Mädels und ich waren zu alt, um Süssigkeiten zu sammeln, aber, grösstenteils noch zu jung, um auf Partys zu gehen. Der Fall bot zwei Lösungen: eine kindliche Verkleidung oder ein Laminiergerät. Wir wählten die diätische Verbrecher-Variante und bastelten den unter 21 jährigen von uns neue Ausweise. Somit waren sie dann, wie ich, auch schon 23 und dazu in der Lage eine Bar zu betreten, ob sie nun Alkohol trinken wollten oder nicht. Die Nacht war legendär und beim Klang einer Kettensäge drehe ich mich heute noch entsetzt um „oh Gott, er hat mich nun doch noch gefunden“.

Ich glaube ja, dass man diese Haunted Houses, Spukhäuser, gemacht hat, als Vorbereitung für den Black Friday Sale, den grossen Schnäppchentag Ende November. Quasi das Trainingscamp. Rennt um euer Leben! Am 31.10. rennen wir vor dem Kettensägenmann davon und nach dem grossen Thanksgiving-Fressen rennen wir, noch schneller, durch die Mall, um die besten Angebote zu ergattern. Es wird gerannt, ob weg von dem Bösen oder hin zum, vermeintlich, Guten. Wer zu langsam ist bekommt die Reste. Oder gar nichts. Selbst wenn man keine Angst hat vor Geistern, keine neue Playstation braucht, wir rennen dennoch mit.

Was würde passieren, blieben wir stehen? Würde uns die Kettensäge zerteilen? Würde uns das Schnäppchen unseres Lebens durch die Lappen gehen? Lasst uns doch einfach mal stehen bleiben. Entgegen dem Spruch „Stillstand ist Rückschritt“ falten wir dieses Jahr, voller Mut, unseren Klappstuhl auf und bewegen uns nicht vom Fleck. Wir beobachten, wer an uns vorbei schiesst. Wer vor uns auf die Nase fällt, dem wir natürlich aufhelfen werden, damit er weiterrennen kann. So viele Sachen werden von den Vorbeieilenden verloren, die wir säuberlich und in aller Ruhe neben unserem Platz am Rande der Rennstrecke sammeln können. Der Kettensägenmann ist schon fünfzehn mal an uns vorbei geflitzt ohne uns überhaupt bemerkt zu haben. Er heftet sich immer an die Fersen der Schnellsten. Wir nuckeln an unserer Dr. Pepper und sind froh, einen Sitzplatz zu haben. Zwischendurch bleibt er stehen und schaut uns direkt in die Augen. Sofort wollen wir aufspringen um los zu stürmen. Aber wir erstarren, die Panik steigt in uns auf „wie konnten wir nur so doof sein und seelenruhig sitzen bleiben?“. Doch dann ist er weg.

Manchmal kostet es einen Überwindung, nicht einfach davon zu rennen. Die Strasse liegt vor uns, die Schuhe sind fest geschnürt, wir könnten direkt durchstarten. Oft erfordert es mehr Mut einfach aus zu harren. Die Dinge auf sich zukommen zu lassen, ohne die Fäden in der eigenen Hand zu spüren. Vielleicht geht es schief. Ja, vielleicht werden wir in unsere Einzelteile zersägt und sogar noch gefressen. Aber es besteht auch die Chance, und die ist gar nicht so klein, dass der Hund an uns schnuppert, und sich dann, anstatt zu zu beissen, umdreht und abzieht. Vielleicht müssen wir nicht immer rennen, sondern sollten uns besser mal trauen, es nicht zu tun.

Wir sind immer auf der Suche nach dem Süssen im Leben dabei verlieren wir etwas Wichtiges aus den Augen: Sauer macht lustig 😀

Ich verabschiede mich, im Schneckentempo, vor den Fernseher, wo das Gruselprogramm und eine ordentliche Portion Spaghetti mit Meatballs süss-sauer auf mich warten. Danach könnte ich maximal noch davonrollen.

Grüsse von Erika, die hat sich mit nem Buch ins Bett verkrochen:

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Booooohoooooo 🙂

PS: Natürlich würde ich niemals mit einem Laminiergerät illegale Dinge tun!

PPS: Produktplatzierung ist absichtlich und sicherlich gegen sämtliche Datenschutz-, Werbe- und vor allem Diätregeln aber scheiss drauf, ich renne heute mal nicht davon!