The Dog Days are over

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Sehstörung? Das sind doch Kühe auf dem Foto?!

Die Dog Days, bei uns sagt man Hundstage – aber habt ihr das wirklich mal jemanden sagen hören, also ich nicht? – sind die heissen Tage des Sommers. Der Schlaf gleicht einem Schmorbraten im eigenen Saft, an dem sich schon die Fliegen zu schaffen machen. Das kalte Wasser der Morgendusche wird vom Neuschweiss getrocknet. Der Kaffee wird wärmer, je länger man die Tasse auf dem Tisch stehen lässt. Sobald man das Haus verlässt fühlt es sich an, als würde man die Sauna betreten, nur dass man sich vergessen hat ein Handtuch um die Hüften zu wickeln. Gefühlt ist es immer hell, die Stirnfalten haben diesen Sommer sicherlich 1 cm an Tiefe dazugewonnen. Je länger diese Hitze anhält, desto verrückter werden dann auch die Menschen. Bei einer Sommersaison ist der August der gefürchtete Monat. Nicht weil da die meisten Touristen kommen, nein, weil durch die Hitze einfach alle am durchdrehen sind. Der Geduldsfaden droht, bei jedem weiteren Schweisstropfen, zu reissen. Ob Gäste, Kollegen oder Lieferanten – im August ist kaum noch mit jemandem gut Kirschen essen. Alles ist anstrengend, alles klebt und irgendwie muss alles schnell gehen, weil jeder zurück ins Kühle will.

Kuh sollte mein sein. Den ganzen Sommer auf einer idyllischen Alm (in der Schweiz sagt man Alp) stehen und vor sich hin kauen. Ein laues Lüftchen bläst um die Ohren, die Irren der Zivilisation sind weit weg und ausser zu kauen und zu kacken gibt es keine weitere Tagesaufgaben. Traumjob. Aber damit ist jetzt Schluss. Die Hundstage sind vorbei und mit ihnen auch die Kuhtage. Zur Feier bekommt jede von ihnen ein Haarkränzchen à la Heidi aufgesetzt und marschiert durchs Dorf, vorbei an der jubelnden Menge, zurück in ihren Stall. Ich wäre dafür, dass man dazu künftig die Titelmusik von Rocky laufen lässt. Das würde das Kuh-Ego sicherlich um ein Vielfaches steigern und die Milch wäre proteinreicher, was den Amateur-Rockys wieder Zugute kommen würde.

Das wahre Gefühl des Ende des Sommers kann man vielleicht erst verstehen, wenn man einmal eine Sommersaison durchgestanden hat. Am 1. September wacht man auf, mit etwas Glück hat es 10 Grad weniger als noch am Tag zuvor. Das Stahlblau des Himmels ist nun wieder mit ein paar Wölkchen versehen, übers Wasser kommt langsam der Herbstwind. Noch am Tag zuvor war die Stimmung explosiv, überkochend und man hatte das Gefühl dieser Wahnsinn würde nie vorüber gehen. Dann sind, 24 Stunden später, nur ein Kalenderblatt musste umgeblättert werden, die Schalter umgelegt. Love and Peace. Die Ruhe nach dem Sturm. Der Brand ist gelöscht und jeder sieht sich in der Ruine um, was davon geblieben ist. Wo gestern noch Überforderung die Oberhand hatte begegnet uns heute das Gefühl des Herbstes: die Vergänglichkeit. Die Last wurde von der Schulter genommen, das Ende ist greifbar. Aber was bringt das Ende mit sich? Und sind wir bereit zum Loslassen? War es nicht doch schön? Der gemeinsame Kampf. All die einzigartigen Momente. Unser Lachen. Das tägliche Aufeinandertreffen auf unserer Bühne des Sommers. Der Winter ist plötzlich ganz nah. Jeder geht in eine andere Richtung und, selbst wenn wir wieder zurückkehren für die nächste Hitze, die Requisiten werden gewechselt. Akteure ausgetauscht. Jeder Moment ist ein Unikat. Ach wäre doch erst Juni…

Ich liebe den Herbst. Vielleicht weil ich, durch das Überstehen von vier harten Sommern, auch jetzt, im normalen Leben, spüre, wenn er da ist. Endlich wieder die Bettdecke bis zum Hals hochziehen, die Kuschelsocken raus kramen, neue Pläne schmieden, etwas anpacken. Endlich muss man nicht mehr das schöne Wetter geniessen sondern kann mit Tee und Buch zu Hause bleiben. Die Luft ist frisch, die Farben warm, alles wie gereinigt. Ist nicht der September viel eher ein Neustart als der 1. Januar? Immerhin hat für uns doch jahrelang im September das neue Schuljahr begonnen. Die neuen Angebote bei der Volkshochschule starten im September und auch der Kursplan im Fitnessstudio wird, nach dem Sommerplan, auf Herbst/Winter umgestellt. Obwohl die Umwelt sich bereit macht für ihren Winterschlaf beginnen in uns die Maschinen auf Hochtouren zu laufen. Die gesammelten Nüsse des Sommers haben wir nach Hause gebracht und verarbeiten sie nun zu einer Collage aus „oh wie schön das war“ und „das sollten wir auch mal tun“.

….und eigentlich wollte ich euch nur erzählen, dass wir Samstag beim Alpabzug waren und die Kühe so schön blumig ausgesehen haben…

An die (glücklichen) Menschen, die auf der anderen Hälfte der Kugel leben: New Zealand Summer is coming! Am Wochenende startet eure Sommerzeit, gleich nachdem ihr den Schnee nochmal weg geschippt habt. Wie gerne würde ich auf ein Hokey-Pokey-Eis beim Open Air Kino vorbeischauen, aber das muss noch etwas warten. Vergesst nicht die Kuhfüsse zu desinfizieren, bevor sie auf die Wiese kommen, denn das gehört sich so auf der anderen Seite 😉