Haben wir das Essen satt?

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Ich beiße gerade genüsslich in eine Butterbrezel. Auf der Tüte steht Vom Feinsten. Für fünf Franken sollte sie das auch sein. Aber tatsächlich, sie ist knusprig, genau die richtige Menge Salz, ordentlich Butter, mjam – ich fühle mich gestärkt für den Tag. Und genau in diesem Moment sehe ich, wie jeder zweite die Hände vorm Kopf zusammenschlägt und entsetzt sagt „eine Butterbrezel?“. Etwa in dem entrüsteten Ton, in dem man früher gesagt hätte: „Waaaaas? Du bist schwanger vom Postboten?“. Um die Dramatik noch etwas in Jugendsprache hinzuzufügen „OMG!“.

Ja, ich gestehe, ich esse eine Brezel, die fett mit Butter beschmiert wurde – und ich habe es nicht mal selbst getan.

Weizen, Milchprodukte, tierisches Eiweiß , Gluten, Laktose, Salz, Fett, Kohlenhydrate, Zucker (denn Zucker ist ja immer drinnen, selbst wenn es salzig schmeckt), Kaloriiiiiii(h)en, – der Tod wetzt quasi schon seine Messer für mich. Welch unverantwortliches Handeln. Sofort sollte die Nanny auf der Bildfläche erscheinen, mir die letzten Brezelstücke aus der Backe pulen und mich dann, ohne Mittagessen, auf die Stille Treppe verfrachten. Wo doch jeder weiß, dass man solch böse Dinge nicht essen soll.

Ja, mittlerweile sind wir alle zu Ernährungsexperten mutiert. Zu Predigern. Vorstellungsrunden laufen heute in etwa so ab: „Hallo, ich bin die Ulli, bin 34 und bin Veganerin“, „ich bin der Hannes, bin 27 und bin Teilzeitfaster“, „Franzi mein Name, 47, gluten- und laktosefrei“, „und ich bin Peter, 65, Paleo“. Und ich bin Steffi, 38, fresse eine Butterbrezeln und habe das Thema Essen allmählich satt.

Berufs- und interessenbedingt habe ich mich schon des Öfteren mit Ernährung, Essens-Trends und dem wer-wie-was auseinandergesetzt. Klar, wenn mir jemand erzählt, dass er/sie zwei Liter Cola am Tag trinkt, weil er/sie den Zucker für den Stress braucht oder ihm/ihr einfach nichts anderes schmeckt, da erwische ich mich auch dabei, innerlich den Schimpfe-Finger zu erheben, lasse es dann aber doch sein.

Ich führe immer mal wieder Selbstversuche durch. Einen Monat kein Zucker, Essen nur zwischen 12-20 Uhr, mehr Vollkorn, weniger Fett und, und, und. Außer, dass es mich wahnsinnig macht den ganzen Tag ans Essen zu denken „darf ich das jetzt überhaupt essen?“, passiert da eigentlich sonst groß nichts. Sicherlich auch, weil ich es nie lange genug durchhalte.

Wie soll man denn überhaupt noch durchblicken bei all den Bekehrern? Jeder hat die beste Methode, den einzigen Weg, die neusten Erkenntnisse. Und vor allem nimmt sich jeder das Recht raus, jeden damit zu nerven.

Vor knapp zwei Jahren hatte ich ja die glorreiche Idee, ich habe immer wieder tolle Ideen, haha, eine Fortbildung zum Ernährungscoach zu machen. Da mir das Lehrheft alleine nicht gereicht hat, habe ich mich mit Büchern, Fachzeitschriften und Lernheften von anderen Anbietern eingedeckt. Mit der Erkenntnis: überall steht was anderes. Ob ich den Abschluss noch mache? Keine Ahnung. Ich denke mal bei einer leckeren Salamipizza darüber nach 😉

Natürlich ist es wichtig ausgewogen zu essen. Es sollte halbwegs gesund sein. Abwechslungsreich. Saisonal und regional wäre natürlich verantwortungsbewusst. Bio, (haha, das Schreibprogramm kennt kein Bio und untermalt es mir rot – was ist das für ein Zeichen?) fürs Gewissen. Nicht zu viel, für die Figur. Salz, Zucker und Fett nicht übertreiben und einfach viel, viel Wasser trinken. Dann könnten wir es doch schaffen zu Überleben, ohne das Essen zu einer unergründlichen Philosophie werden zu lassen und ohne bald allergisch aufs Essen zu werden „Hallo ich bin die Erna und ich bin allergisch auf Essen, aber immerhin, Tequila geht noch“. 😉

In diesem Sinne meine Lieben, bleibt mir nur eines zu sagen: MAHLZEIT 🙂

Und wer mal mit mir essen geht: ihr dürft essen was ihr wollt, solange es mich nicht vollstinkt, sodass am Ende ich nichts mehr essen kann (das wäre meiner Figur gegenüber ja unverantwortlich) 😀

Eure Effi