Ja wen haben wir denn da ??

 

 

Darf ich vorstellen, es gibt Zuwachs in der Familie von Erika und Rolf Simon:

Das ist Guinness, der uns, pünktlich vor Abflug, aus dem Schwarzwald (man sieht es wohl) erreicht hat 🙂

Gerade noch rechtzeitig, um mit auf Reisen zu gehen. Quasi hat er Last Minute gebucht und ist aus dem Briefkasten mit einem Satz ins Handgepäck gehüpft.

Erika und Rolf Simon, die alten Stubenhocker, durften somit das Haus hüten, während Guinness mit uns einen Ausflug ins Grüne gemacht hat.

Irland ❤

wp-image-984625743

Ich war ja vor acht Jahren schonmal auf der Insel, dort wurde ich eine Woche mit Sonne verwöhnt. Dieses Paket hatten wir jetzt wieder gebucht. Sonne pur, und der Regenschirm kam nicht einmal zum Einsatz. Verdammt, wie soll ich da denn jemals mitreden können, wenn jemand wieder sagt „ach Irland, da ist ja immer schlechtes Wetter“. Müssen wir es wohl im Herbst nochmal probieren – hilft nix 😉

Irland wird, wohl wegen des Wetter-Rufs, wirklich unterschätzt. Es ist einfach idyllisch, mystisch, ruhig, abwechslungsreich und menschenleer. Wenn man nicht gerade in Dublin oder auf den Cliffs of Moher umherirrt trifft man selten jemanden. Wie schon in Neuseeland festgestellt: je weniger Menschen irgendwo wohnen, desto freundlicher sind sie zueinander. So auch in Irland. Jeder, wirklich jeder, Ire hebt kurz die Hand, wenn man an ihm vorbeifährt (ob er nun selbst im Auto sitzt und einem die Vorfahrt lässt oder nur vor seinem Haus rumsteht). Als würde er denken „oh cool, heute mal Menschen“.

wp-image-883394008

Meine zweite Faszination, neben der Freundlichkeit, gilt direkt den Buchläden. Ja ich bin noch immer nicht der typische Sightsee-er. Für mich findet Sightseeing in den Nebengassen statt. Wie schmeckt der Kaffee, wo gibt es die schönsten Bücher, kann man hier was finden, was es zu Hause nicht gibt (sämtliche Varianten von Minze-Eis)?

Im Englischen wird über ganz andere Dinge geschrieben. Natürlich zum einen da die Sprache viel verbreiteter ist als Deutsch, vieles wird sicher niemals für uns übersetzt werden. Zum anderen aber auch weil die Interessen natürlich andere sind, die Einflüsse, das Denken. Irland ist bekannt für seine vielen großen Schriftsteller, was es hervorgebracht hat. Oscar Wilde, Bram Stoker, James Joyce, Cecelia Ahern – um nur mal die wohl bekanntesten zu nennen. Meiner Vorstellung nach liegt das daran, dass das Land sehr ruhig ist. Wenn man da so in seinem Cottage sitzt, vor dem Fenster grasen Pferde, Esel, Kühe und Schafe, es ist ruhig, grün und (außer ich bin gerade hier) es regnet alle paar Stunden mal gemütlich vor sich hin…. also da würde mir auch nichts anderes in den Sinn kommen als in die Tasten zu hauen. Dazu noch die Kulisse. Kurbelt sowas nicht die Fantasie an und man hat direkt Geschichten im Kopf? Also in meinem Kopf kommt da schon was zusammen. Irland ist, in meinen Augen, ein Kreativitätsbooster.

 

 

Nochmal zurück zu den Menschen. Die besten Unterkünfte sind die vielen Bed-and-Breakfast – Angebote, überall auf der Insel. Neben einer liebevollen Schlafgelegenheit gibt’s dazu noch Entertainment zum selbstgemachten Frühstück, mit irischem Humor. So kann der Tag losgehen.

Die Landschaft lässt auch keine Wünsche offen. Sattes Grün (wie in der Butterwerbung), Klippen, Strände und dazwischen kleine Dörfchen, die kunterbunt vor sich hin leuchten. Wir sind dann irgendwann, als alle links abgebogen sind (dem Mainstream nach) einfach rechts gefahren (natürlich weiterhin brav auf der linken Straßenseite). Ins Innere des Landes. Das konnten nicht mal die Einheimischen fassen, dass wir unsere wenigen Tage hier mit dem Landesinneren „verschwenden“ wollten. Aber es hat sich gelohnt.

 

Der Abschluss gehörte natürlich Dublin. Noch mehr Bücher, ok, die durfte ich nicht antatschen. Und obwohl Regen gemeldet war, regnete es nicht (beruhigend, dass meine Wetter-App auch hier immer daneben liegt). Spontan gab es noch ein Treffen mit Cindy, Ex-Arbeitskollegin, die jetzt in Dublin wohnt, und wir lernten den besten Pizzabäcker der Stadt kennen der uns erzählte, wie er von Venezuela nach Irland ausgewandert ist und erstmal nur Bahnhof verstanden hat. Ein Museum hätte nicht unterhaltsamer sein können als dieses halbstündige Tresen-Gespräch 🙂

wp-image--1429504922

Am letzten Abend, im Restaurant, habe ich dann wieder das Stadt-Phänomen erlebt (wahrscheinlich ist man, nach einer Woche Landleben sensibilisiert). Wir saßen in einem coolen Burger-Laden, wo man sich auf der Speisekarte die Zutaten für seinen Burger ankreuzen kann (das Kreieren von abnormalen Kombinationen ist hier erlaubt). Alle Tische um uns besetzt, meistens mit zwei Personen. Entweder einer oder gleich beide drückten unentwegt auf ihrem Smartphone rum bis man ihnen den Burger unter die Nase schob. Dann schnell drei Fotos vom Essen, nochmal fünf Selfies mit Essen und im Nu das Ding reingewürgt um dann, mit dem letzten Bissen wieder das Handy zur Hand zu nehmen (es könnte ja schon jemand das Essens-Selfie kommentiert haben). Genau gegenüber saß ein junges Paar, maximal Anfang 20, ich tippte auf ein Date. Er redete, gestikulierte, lachte und suchte Augenkontakt während sie, ich konnte auf ihr Display sehen, gelangweilt bei Facebook surfte. Sie hat nicht mal zu ihm aufgesehen. Irgendwann wurde er ruhiger und fing an sich, mit dem Stift der Selbst-Ausfüll-Speisekarte, die Fingernägel an zu malen. Am liebste hätte ich ihm gesagt „geh´nach Hause und lese ein gutes Buch, die ist Zeitverschwendung“.

Gott sei Dank bin ich 1980 geboren und musste sowas nie wirklich miterleben (da bin ich jetzt lieber offiziell alt) – ich bin mir nicht sicher, was sowas langfristig aus einem macht, aber sicher nichts Gutes. Auch letzte Woche, als ich nach der Schule im Zug stand: sieben Menschen um mich herum und jeder Einzelne davon, bucklig, blind, geistesabwesend und hektisch tippend in seinem Display weggesperrt von der Welt um sich herum. Wie damals Carol Ann bei Poltergeist, die im Fernseher gefangen war (…wer das noch kennt) 😉

 

Guinness und ich verabschieden uns an dieser Stelle mit dem Tipp: beim nächsten Restaurantbesucht, bei der nächsten Fahrt mit dem ÖV oder wenn ihr an der Ampel steht, schaut mal, wie viele Zombies da um euch rumirren und dann fragt euch „wäre so ein Leben im irischen Nieselregen-Cottage nicht doch entspannter?“ – ich finde schon. Nur bis ich so alt bin, dass ich mich absetzen und ganz der Schreiberei widmen kann (meine bessere Hälfte darf dann B&B-Gäste bespaßen), gibt es bestimmt auch schon Smartphones für Pferde und Kühe…und weg ist die Schreibinspiration vor dem Wohnzimmerfenster.

 

 

Kleines PS: eines Abends sind wir durch ein Mini-Städtchen geschlendert, als ich plötzlich denke „ist hier ne Disco?“. Wilde Elektromusik und paar „woo-ende“ Frauen. Dem Rämmi Dämmi folgend sind wir vor dieser kleinen Kapelle gelandet in der, kein Witz, eine Spinning-Stunde stattfand 😀  Ohne Worte 😉

 wp-image-1822910300

 

 

 

 

 

 

 

Mich interessiert deine Meinung, also los!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s