Ich könnte ja schon wieder…


​…so Einiges könnte ich schon wieder. 

Da wäre zum Beispiel Essen, das geht immer. Auch Schlafen könnte ich zu 70% vom Tag, vor allem wenn mich nebenbei eine seichte Sitcom berieselt. Ans Meer fliegen könnte ich auch schon wieder, um dort am Strand zu schlafen, zu essen und mich von ausländischem Gebrabbel berieseln zu lassen. Ich entscheide mich aber fürs Schreiben – ja, ich könnte schon wieder schreiben 🙂

Ich sitze im Zug, mein Magen findet es wieder einmal nicht so ne tolle Idee (nur ein Bus könnte das jetzt noch toppen) und unterstützend dazu schickt mir Chefkoch gerade das Rezept des Tages: Fischstäbchen-Burger *wurgs*.
Weil ich aber neugierig bin, und aus dem Fenster schauen in der Fast-Dunkelheit nicht so beeindruckend ist, klicke ich mal drauf…
Okok, mein Fehler! Der Anblick von Gurkensalat, Apfel und Zwiebeln die 3 Fischstäbchen umkleben ist nichts für schwache Magennerven um 7:42 Uhr. Ich tippe das Rezept kommt 2 Tage zu spät und sollte eher ein Katerfrühstück für den Aschermittwoch sein. Narriiiiii- Nawürg!

Manchmal vermisse ich ja meine legendäre Zeit im und mit dem Münchner Nahverkehr. Wenn morgens um 7 Uhr das Gequetsche am Bahnsteig der U6 so unerträglich war das ich nur deshalb gerne gekündigt hätte um Kellnerin in einer einsamen Strandbar zu werden.
Der Zug hielt an und beim Öffnen der Türen sind schon die ersten rausgefallen, 2 Stationen zu früh, also liessen sie erstmal raus was raus musste und quetschten sich dann wieder zurück in die U-Sauna, angeschoben von den Neuen, die auch noch mit wollten. Was das Unwahrscheinlichste war was einem passieren konnte: Umfallen! Dafür war die Chance aber recht gross dass es nicht alle Körperteile mit ins Abteil schafften „Ja mei nehmts jetzt e moi den Rucksack und den Fuss nei damits weida geht !“ schepperte es durch den Lautsprecher, gefolgt von piep piep piep und dem Rums der Türen. Abfahrt. Keine 2 Minuten bis zur nächsten Haltestelle. Die Nase im Hinterkopf einer Frau  vergraben, den Ellbogen auf dem Kopf eines 7- jährigen aufgelegt der sich gerade in der Nase bohrte und es an die Strumpfhose seiner Mama schmierte *höm*. Den Po im Gesicht eines privilegierten Sitzplatzergatterers (das hat er nun davon), die Füsse unter den Rollen eines Laptopkoffers eingequetscht, mein Knie im Kampf mit einem anderen Knie um 5cm Freiraum und in die Taille drückte der Stock eines Rentners der seine Termine doch besser nicht in den Berufsverkehr legen sollte. Dazu gratis die Duftnoten Leberwurst, Hugo Boss 1-15, Omas Mottenkugeln und (Bier-)Pupse mit einer leichten Schweissnote in 30 verschiedenen Nuancen. Das Entertainmentprogramm war meistens sponsored by RTL2 und Astro TV und manchmal war mein einziger Gedanke beim Zuhören „lass mich dir bitte niemals nachts begegnen“. Ja es waren keine 2 Minuten bis zur nächsten Haltestelle aber 2 Minuten können verdammt lange und nachhaltig sein. Wenn dann die Tür aufging konnte man einfach nur hoffen: alle raus oder keiner raus, und vor allem bitte keiner mehr rein *herrschaftszeitn*!

Die Feierabendfahrten waren dann etwas angenehmer, zumindest was den Platz anging. Dort hatte man dann auch die Chance ein wenig mehr über seine Mitmenschen zu erfahren. Meinem Gegenüber, zum Beispiel, war Körperpflege sehr wichtig und daran sollten wir alle teilhaben dürfen. Mit einem guten Schweizer Sackmesser (Taschenmesser heisst das in Deutschland) hat er sich erstmal schön die Fingernägel abgehauen um danach, voller Sorgfalt, den Dreck der letzten Wochen raus zu kratzen. Ein sehr ordentlicher Typ wie ich  feststellen konnte. Naja ich wollte heute sowieso nichts mehr essen 🙊 Die musikalische Untermalung, aus einem echt schlechten Handy, lieferte Helene Fischers „Atemlos“ und machte mich eher fassungslos. Ich probierte meine Aufmerksamkeit auf die Gesprächsfetzen meines Hintermanns zu lenken „nein Schatz ich habe keine Lust mehr ein zu kaufen – ja ist doch egal – lass doch, wir bestellen was – warum denn nicht – ach mal geht das doch – als würden wir sonst immer gesund essen – oh du nervst jetzt echt – Karin mach jetzt kein Drama ich kann jetzt auch nichtmehr reden ich bin in der Bahn – ja aber – ja – ok ok – ich geh noch kurz zu Edeka – ja tschüss, ich dich auch!“. Ach wo war nur das Kind vom Morgen auf das ich mich stützen konnte um das alles besser zu verkraften??

Nun erscheint mir der Fischstäbchen-Burger garnimmer so ecklig. Vielleicht sollte ich, hier direkt ausm Zug, ja mal Schatz anrufen und eine Debatte über unser mögliches Abendessen führen (danke Chefkoch für die Inspiration, der Burger wäre auch eine Bereicherung für das Bordbistro der DB und das Feinschmeckerangebot von Eurowings!). Die Stellen an denen Schatz dann redet (es sind sicher nicht viele) werde ich Atemlos summen, damit meine Mitreisenden auch wissen, dass ich noch da bin. Schade nur, dass ich mir kein Leberwurstbrot mit Senf und Gurken eingepackt habe um dem Raum eine besondere Duftnote zu verleihen.

* keine Garantie dafür, dass das korrektes Bayrisch ist 😉

Ein Gedanke zu “Ich könnte ja schon wieder…

  1. Hammer Steffi,
    Du brauchst irgendwo eine kolumne wo du deine witzig ironischen texte veröffentichen könntest.Richtig treffend zmitzt aus dem leben .👏😅😙
    Grüessli Vreni

    Gefällt 1 Person

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