Wie lange ist „für immer“? Manchmal nur ein Moment!

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Da bin ich wieder! Kann euch ja nicht im Ungewissen lassen was nach den 3 Monaten Neuseeland aus mir und meiner Gedankenwelt geworden ist.

Wir ihr ja vielleicht noch mitbekommen habt ging es erstmal zurück in die bayrische Heimat und danach, Anfang April, weiter nach Mallorca. Der Plan war „für immer“ – aber wie das bei solch großen Plänen ja oft der Fall ist war das ein Irrglaube. Der Plan stand schon in Neuseeland fest. Ich war mir sicher dass mein Herz Mallorca ruft. Vielleicht wegen der schönen Erinnerungen an den Sommer 2014 hier. Vielleicht aber eben auch weil es sich mit schönen Erinnerungen so verhält, dass, ist erstmal etwas die Zeit ins Land gezogen, sie nichtmehr so ganz realistisch sind. Im Nachhinein ist ja alles immer schön, vor allem bei mir. Das Schlechte kann ich sehr gut ausblenden (liegt ja auch irgendwie daran, dass man nur die schönen Momente fotografiert und sich dann denkt „man war das toll“).

Ich kam hier also an voller Hoffnung, Vorfreude, Euphorie und einem großen Tschakkka in meinem Bauch. Anfangs wurde ich auch in all diesen Gefühlen nicht enttäuscht – es war wie Heimkommen. Wenn man irgendwo lebt ist es einfach etwas anderes als irgendwo mal ne Weile Urlaub zu machen und so kamen schnell reelle Problemchen auf mich zugewandert. Diese waren besonders heimtückisch und nannten sich Kopfschmerzen und Zahnschmerzen vom Allerfeinsten. Ahoi! Da macht dann auch so Garnichts mehr Spaß…besonders nicht wenn man erstmal auf Arztsuche gehen muss und sich darüber bewusst wird „mist, ich kann ja garnicht mein Krankenkärtchen auf den Tisch legen und mich erwartet keine böse Überraschung“.

Der Neurologe beschloss eine Fotostrecke von meinem Kopf-Innenleben wäre ganz angebracht (oh jeh oh jeh will das wirklich jemand sehen was da so alles vor sich geht?!), aber dafür musste ich erstmal klären ob meine Reiseversicherung das genauso sieht und die 1000 € für das Shooting über die Landesgrenze schickt. Während das noch alles in Bearbeitung war meldete sich urplötzlich ein totgeglaubter Zahn aus der hinterletzten Ecke. Erst klopfte er ganz zaghafte und ich beschloss ihn einfach zu ignorieren (bei Spinnen klappt das doch auch immer besser). Mit dieser Ablehnung konnte er jedoch nicht so gut umgehen und gab richtig Gas *klopfklopf*. Es war Freitagnacht, 1:30 Uhr als mir klar wurde „ich hatte bis dahin noch niemals Zahnschmerzen“. Drei Ibu600 später war der Morgen da und ich durchforstete das Internet nach einem Zahnarzt der A) halbwegs in der Nähe war, B) bitte, bitte Deutsch konnte und C) samstags das Telefon abnahm. Zwischendurch musste ich einfach immer wieder ein bisschen weinen weil ich mir selbst so unfassbar leid tat, erinnerte mich dann aber selbst daran „Steffi es hätte auch in Neuseeland passieren können und dann hättest mal richtig Probleme gehabt – spätestens beim 24-Stunden-Flug also reiß dich jetzt mal zusammen!“.

Tatsächlich fand ich einen deutschen Zahnarzt, 25km nah und er war in seiner Praxis und würde auf mein Kommen warten. Danke gen Himmel! Auf der Fahrt dahin war ich so im Schmerz-Tabletten-Delirium dass ich immer wieder dachte „vielleicht stelle ich mich kurz ein den Straßenrand und mache ein kleines Schläfchen?!“. Dann lag ich dort und alles ging ganz schnell. Zwei Monsterspritzen und mir wurde noch bei der Besprechung der Röntgenaufnahmen schwarz-weich (d.h. schwarz vor den Augen und weich in den Knien) und es war mir einfach egal was jetzt passieren würde. Den Rest erspare ich euch… zwei Stunden später (ich musste ein kleines Schläfchen in der Praxis einlegen) taumelte ich raus. Ein Zahn weniger im Mund. Tatsächlich lag ich über eine Woche sterbend im Bett und konnte schon bei jedem Dunkelwerden spüren wie die Schmerzen der Nacht auf mich zurollten.

Das Zahndrama war, zumindest von der Schmerzseite betrachtet, soweit überstanden dann kam ja noch das MRT. Das war gestern und naja, 80km zum Krankenhaus gefahren, im leeren Keller umhergeirrt, die spanische Krankenschwester hat mir erklärt was ich zu tun hätte (ich habe es einfach interpretiert) und dann 2 mal 20 Minuten wie Hannibal Lecter eingesperrt in einer Röhre mit der Anweisung „nicht bewegen“ den ultimativen Atomkriegsgeräuschen ausgesetzt. Kurzzeitig dachte ich, ich drücke den Panikknopf und steige aus oder ich weine einfach leise vor mich hin aber nein, ich beschloss es mal mit Meditation zu probieren. Hat geklappt. Was uns nicht tötet härtet uns ab. Die letzten drei Wochen fallen da auf alle Fälle drunter, aber jetzt ist auch gut. Körperlich und emotional auf Anschlag.

Tja und wenn man da so liegt kommen die Gedanken. Wie auch schon in Neuseeland nur dass die Gedanken dort eben schön Abgelenkt wurden durch die Natur, die Erlebnisse, die Panik vorm Busfahren, die ständigen Ortswechsel, die vielen neuen Menschen und und und. Aber die Gedanken entstanden dort und wurden hier dann eben zu Ende gedacht. Ist ja immer alles für was gut im Leben – nichts geschieht ohne Grund. Und um die Effi mal zum ruhig Nachdenken zu bringen braucht es eben einen Zahn, eine Säge (er wollte gerne bei mir bleiben) und eine 40er Packung Ibuprofen.

Ich freue mich auf den zweiten Neustart 2016 und bin gespannt was der deutsche Zahnarzt über das Ableben meines jahrelangen Sorgenkindes sagen wird. Ein wenig fühle ich mich jetzt wie eine Hexe mit diesem Loch im Mund 😉

In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen besinnlichen Sonntagabend, genießt das Leben, eure Gesundheit und die Lieben um euch – das sind die unbezahlbaren Dinge im Leben (für alles andere gibt es den Überziehungsrahmen der Kreditkarte *autsch*).

Eure Effi

PS: Ich hatte natürlich auch mal wieder Glück im Unglück und habe mir die tollsten Ärzte rausgepickt die mit Herz und Humor an die Sache mit mir rangegangen sind ❤