Lupinen, Chinesen & ein arbeitsloser Rucksack

Jaaaaaaa sie lebt noch 😉

Habt ihr mich vermisst? I am sorry, ich bin doch etwas schreibfauler als gedacht 😉

Seit 13 Tagen bin ich in Arrowtown (Christina und ich können es gerade selbst nicht fassen, dass es schon so lange ist und mussten es zur Kontrolle nochmal an den Fingern abzählen – aber Tatsache, heute ist der 13. Tag hier).

Arrowtown liegt im südlichen Teil der Südinsel, bei Queenstown. Erinnert ihr euch an meine Aussage „ich hasse Berge und werde mich 3 Monate am Meer aufhalten“ ?! Ähmmmm ok….

… this morning sogar mit Neuschnee (und das im SOMMER!). Dazu muss ich aber anmerken, dass wir gestern noch knappe 25 Grad hatten. Das ist eben Neuseeland, da ist es nicht weit von Sonnenbrand zu Gefrierbrand.

Arrowtown ist genial! Eine ehemalige Goldgräber-Kleinstadt (tatsächlich sind hier noch einige am Fluss unterwegs mit ihren Sieben und probieren ihr Glück) und natürlich eine der Kulissen von Herr der Ringe: der Arrow River. Wer macht mit mir einen DVD-Abend wenn ich zurück bin, damit ich da auch endlich mal mitsprechen kann? 😉 Ich bringe auch den unfassbar leckeren Marlborough Sauvignon Blanc mit.

Was in Deutschland fehlt sind definitiv Lupinen! Ja es hat wirklich was von Heimatfilm, überall diese lila-rosa-gelb-blaue Blütenpracht aber bitte, wie schön ist das denn?!?! Und es riecht sooooo lecker! Notiz an ich: Lupinen pflanzen!

Was haben wir gemacht die letzten 13 Tage? Also da war zuerst natürlich die Tour durch Queenstown bei super Wetter (seht selbst).

Weiter ging die Reise nach Glenorchy und nach Paradise. Tatsache der Ort heißt so! Da stehen Kühe auf dem Schotterweg, Schafe und Pferde und….Chinesen (die die Kühe jagen). Also, bis auf Letzteres, mal wieder Idylle pur. Die Chinesen sind übrigens überall. ÜBERALL! Und die fassen alles und jeden an – sicherlich was kulturelles, was ich mal wieder nicht verstehe.

Um nach Paradise zu kommen braucht man auf alle Fälle Allrad, nen guten Magen und ne tapfere Fahrerin (danke Christina!) denn man muss das Auto so einige Male durchs Wasser jagen ohne vorher zu wissen wie tief es ist. Die letzten Meter vorm Ziel hat uns dann doch ein zu hoher Fluss den Weg versperrt (durch den Regen am Vortag) aber immerhin ergab dieser ein schönes Fotomotiv 😉

Paradise ist quasi das Ende der Straße. Danach kommen nur noch hohe Berge und dahinter beginnt das Fjordland (könnte man über oder durch die Berge fahren).

Samstags war dann Markttag. Letzten Winter stand ich im Winterwonderland in London und habe Xmas-Deko verkauft und dieses Jahr sind es französische Backwaren und deutsches Brot in Alexandra (so heißt der Ort zu dem es durch eine ewige Schlucht geht). Seit ich hier bin fühle ich mich wie bei den Gilmore Girls. Genauso stellt man sich ein Kleinstadtleben vor (also auf alle Fälle entspricht es meiner romantischen Fantasie davon). Gemütliche Cafés, Pubs, kleine Läden, viel Holz, viel Grün, viel Ruhe, jedes Haus mit weißer Veranda, alle unglaublich nett und gut gelaunt und alle winken sich zu. Die Busfahrer haben das Radio auf Anschlag gedreht und singen mit und wenn man nett fragt lassen sie einen da aussteigen wo man raus will statt an der Haltestelle. Zum Abschied wünschen sie einem einen wunderschönen Abend und bedanken sich fürs Mitfahren. Sorry, aber nichts davon ist mir jemals im öffentlichen Nahverkehr in Deutschland passiert (manche von euch erinnern sich sicherlich an meine Pendler-Anekdoten).

Die Freundlichkeit geht natürlich noch weiter. Da Christina ja auch mal wieder arbeiten musste, und ich eine Sightseeingpause brauche (zu viel davon ist nichts für mich) habe ich mir etwas Normalität geleistet: eine 10er-Karte fürs Fitnessstudio und ein Wochenticket für den Bus. Ich liebe „Alltagsroutinen“. Da wir in Neuseeland sind standen die Chancen auf Les Mills Kurse im Studio natürlich recht gut. Pump, CX und Combat – Yeah 🙂 Dazu noch Pilates, Yoga, Tai Chi und ein Schwimmbad im Studio. Ich also in den Vormittagskursen mit jeder Menge Omis und nach der Tai Chi Stunde gab es gemeinsame Teatime im Kursraum mit Klatsch und Tratsch. Langweilig wird es mir bis Weihnachten bestimmt nicht.

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Ansonsten verbringe ich meine Tage damit in Arrowtown und Queenstown am Wasser entlang zu spazieren, Emma zu knuddeln (wir haben uns verliebt) und einfach so langsam in den Urlaubsmodus zu schalten. Ich muss zugeben, dass mir das total schwer fällt. Morgens ohne Aufgabe in den Tag zu starten ist etwas gewöhnungsbedürftig wenn man sonst immer unter Dauerbeschallung steht. Sicherlich braucht es 3 Monate mich daran zu gewöhnen und dann werde ich nach 3 Stunden arbeiten zusammenbrechen.

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Der höchste Berg in Neuseeland ist der Mount Cook (3724 m) und quasi um die Ecke hier (zumindest per Daytrip zu erreichen). Auf dem Weg dahin liegen die Clay Cliffs und da hat uns auch just in time die Sonne total verwöhnt. Beim Mount Cook war es schon gleich um einiges wolkiger und windiger aber hey…es ist Neuseeland und nicht die Karibik 😉

So zum Schluss kommt noch ein Lacher (und diejenigen, die mich gut kennen haben sicher ab Sekunde 1 der Reiseplanung damit gerechnet): ich tausche den Backpack gegen eine Reisetasche mit Rollen 😀 Das war mir tatsächlich schon in dem Moment klar, als ich das blöde Ding aufsetzte und damit 30 Minuten durch Auckland zur Bushaltestelle latschen musste (inkl. Verlaufen). Das bin ich nicht. Ich komme damit klar, dass ich alle paar Tage waschen muss, weil ich zu wenig Klamotten mit habe und auch, dass ich mit kleinem Budget lebe und jetzt Bus fahre aber dieses Monster auf meinen zarten Schultern, in das ich alles reinquetschen muss und in dem ich nichts finde – no way! Und wie es das Schicksal wollte hatte das Warehouse übers Wochenende ein tolles 30% off Angebot für Koffer, Taschen und Rucksäcke und jetzt bin ich toll ausgestattet mit ner 73-Liter Tasche zum ziehen und nem supergeräumigen Tagesrucksack (alles in Schlumpfblau, dass mich keine Chinesen überfahren). Alles bereit also, um ab dem 27.12. meine Reise bequem fort zu setzten (denn immerhin sind es dann noch immer 7 Wochen und viele, viele Kilometer mit Bussen und Inlandsflügen).

Typisch Effi eben – zack Meinung geändert und in die Tat umgesetzt (falls jemand in Neuseeland ist, das hier liest und einen Rucksack braucht könnt ihr euch ja melden ansonsten fliegt er mit Christina nach Hause) 😉

Hier mal meine aktuellen Neuseeland Top-10-Gedanken:

  1. Neuseeland ist die Topkulisse für alle Heimatschnulzen dieser Welt
  2. Heuschnupfen heißt hier Heufieber (@Christina, Deutsch für Rückwanderer)
  3. Chinesen fliegen in Massen nach Neuseeland um dann Autofahrer und Tiere zu ärgern
  4. alle Kids zwischen 19 und 24 aus Frankreich und Deutschland fliegen ebenfalls nach Neuseeland, wo sie sich dann über ihre Lebenserfahrung austauschen
  5. Kiwis sind ganz klar die besser gelaunten Menschen und nett, nett, nett
  6. dem Hundeblick entkommt man nicht
  7. nicht jeder ist dazu gemacht ein Backpacker zu sein
  8. zu Punkt 7: ich wusste es vorher und wollte es trotzdem mal antesten
  9. Neuseeland ist die Trickkiste des Wetters und der Wetterbericht stimmt einfach nie
  10. ich will ein Haus mit einer weißen Veranda!
  11. (aus gegebenem Anlass ein spontaner Zusatzpunkt): jedes 3. Lied im Radio ist aus einer Les Mill Release 🙂 irgendwie geil! ❤